Warum ich nie bei „2 Minuten, 2 Millionen“ sein werde

Lifestyle Entrepreneur

Unternehmern geht es vor allem um’s Geld? Einem neuen Typus von Unternehmern ist Gewinn allein als Sinn ihres Unternehmens zu wenig: den „Lifestyle Entrepreneuren“.

Wer’s nicht kennt: Auf Puls4 gibt/gab es eine Show (nach dem amerikanischen Vorbild „Shark Tank“), bei der junge Unternehmer ihre Geschäftsidee einer Gruppe von Investoren (Leo Hillinger, Hans-Peter Haselsteiner und solche Kapazunder) vorstellen. Diese Investoren bekommen dann die Möglichkeit, in die vorgestellten Unternehmen zu investieren, wenn ihnen die Idee, der Business Plan oder auch „nur“ die Persönlichkeit der UnternehmerInnen gefällt.

Obwohl ich wenig fernsehe, schaue ich mir diese Sendung regelmäßig und mit großem Interesse an. Ich finde es spannend, wie andere Unternehmer ihre Unternehmen präsentieren, wie sie darüber sprechen, was sie motiviert und so weiter. Auch die Fragen und Kommentare der Investoren geben mir immer wieder Anlass, über mein eigenes Unternehmen nachzudenken.

Trotzdem könnte ich nie bei dieser Sendung mitmachen. Gar nicht mal so, weil ich zu aufgeregt wäre oder Angst vor kritischen Fragen hätte. Im Gegenteil, das fände ich sogar sehr spannend. Das Problem ist eher, dass mein Unternehmen keines ist, in das ein Investor passt. Es wäre sogar noch schlimmer: Ein Investor würde mein Unternehmen ruinieren.

Der Grund: Ich bin ein Lifestyle Entrepreneur.

„Was, um Himmels willen, ist denn ein Lifestyle Entrepreneur?“, mag sich jetzt der eine oder die andere fragen. Nun, ich versuche das mal anhand einiger typischer Merkmale zu erklären:

Was zeichnet einen Lifestyle Entrepreneur aus?

  • Die Vereinbarkeit des Business mit seinem persönlichen Lebensstil ist der wichtigste Antreiber für einen Lifestyle Entrepreneur.
    • Ein Lifestyle Entrepreneur versucht, ein Business aufzubauen, dass gut zu seinem Lebensstil, seinem Alter, seiner Familie, … passt – und nicht umgekehrt. Er sind nicht bereit, diese Dinge für ihr Business zu „opfern“.
    • Dem Lifestyle Entrepreneur geht es darum, ein nachhaltiges, langfristig gutes Leben zu führen – „trotz“ eines eigenen Unternehmens.
  • Bei einem Lifestyle Entrepreneur kommt Sinn vor Gewinn.
    • Sie versuchen, ihre persönlichen Interessen und Talente dazu zu verwenden, Geld zum Leben zu verdienen.
    • Sie wollen, dass sich die Arbeit, die sie in ihrem Business leisten, „nicht wie Arbeit anfühlt“. Es ist aber nicht so, dass sie nur auf der „faulen Haut“ liegen wollen. Im Gegenteil: Sie stecken viel Zeit und Energie in ihre Unternehmen und sind mit großem persönlichen Engagement bei der Sache.
    • Lifestyle Entrepreneure werden selten wirklich reich – weil sie mit einer bestimmten Geldmenge zufrieden sind und dann einfach aufhören, zu arbeiten.
  • Ein erfülltes Privatleben ist ihnen mindestens so wichtig wie Geschäftserfolg.
    • Sie wollen Zeit für Hobbys, Familie, Freunde, … haben.
    • Sie brauchen auch Zeit zur Selbstreflexion und zum Lernen.
    • Sie wissen, dass  es etwas Wichtigeres gibt als geschäftlichen Erfolg. (Das heißt aber nicht, dass sie mit ihrem Business nicht erfolgreich sein möchten – im Gegenteil. Aber halt nicht um jeden Preis.)
  • Freiheit ist ein wichtiger Wert für Lifestyle Entrepreneure.
    • Sie möchten sich ihre Zeit selbst einteilen, und sie wollen sich aussuchen können, wo sie arbeiten.
    • Sie wollen sich auch die Projekte/Tätigkeiten aussuchen, an denen sie arbeiten – und nehmen dafür unsichere Einkommensflüsse in Kauf. („Ich tue, was mir gut tut.“)
    • Sie suchen nach den Kunden, die zu ihnen „passen“ und mit denen sie zusammenarbeiten möchten. Nicht jeder Kunde ist in den Augen eines Lifestyle Entrepreneurs ein guter Kunde.

Wahrscheinlich wird dir beim Lesen dieser Charakteristika auch klar, warum ich mir nicht vorstellen kann, für meine Zengärten einen Investor an Board zu holen (abgesehen davon, dass ich nicht sicher bin, ob ich diesen überhaupt von meiner Geschäftsidee überzeugen könnte):

  • Ich will keine Investoren, weil ich niemanden will, der mir in mein Geschäft hineinredet. Meine Unabhängigkeit und die Möglichkeit, meine Vorstellungen nach eigenem Gutdünken zu verwirklichen, sind mir wichtiger als mögliche Ertrags- oder Wachstumschancen.
  • Ich will mit meinem Unternehmen gar nicht wachsen. Ich will nicht expandieren. Ich will keine größeren Produktionsmengen oder Gewinnspannen. Ich will auch nicht mehr Mitarbeiter anstellen. Ich arbeite sehr gerne mit meinem kleinen Team, und das soll auch noch lange so bleiben.

Ab und zu kommt es vor, dass sich jemand bei „2 Minuten, 2 Millionen“ präsentiert, den ich – aufgrund der Art und Weise, wie er/sie sein/ihr Unternehmen vorstellt – eigentlich für einen Lifestyle Entrepreneur halte. Diesen Unternehmern drücke ich dann ganz fest die Daumen, dass sie KEINEN Investor finden. Ich glaube nämlich, dass das nur Schmerzen verursachen würde – für die Unternehmer genauso wie für die Investoren. Und tatsächlich werden diese Unternehmer in aller Regel von den Investoren abgelehnt.

Was für ein Glück!

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