Hast du eine „Agenda 2020“?

Stack of volcanic pebbles in calm water

Was die Politiker können, kann ich schon lange: St. Pöltens „Masterplan 2020“ hat mich zu meiner eigenen „Agenda 2020“ inspiriert.

Wie viele Niederösterreicher habe auch ich ein zwiespältiges Verhältnis zu unserer Landeshauptstadt St. Pölten. Noch dazu, weil ich ja vier Jahre lang an der dortigen Fachhochschule studiert habe. Und so mag es nicht verwundern, dass ich nach wie vor Abonnent des St. Pöltner Stadtmagazins „Das MFG“ bin.

Unlängst beschäftigte sich das Magazin mit der spannenden und ungelösten Frage, warum St. Pölten als so verschlafen, unattraktiv und schlicht uncool wahrgenommen wird. (Den Artikel „Im letzten Eck“ hat übrigens mein lieber ehemaliger Studienkollegen Michael Müllner geschrieben). Darin wird berichtet, dass sich die St. Pöltner Stadtführung der Misere sehr wohl bewusst ist und zur Verbesserung der Situation den „Masterplan St. Pölten 2020“ entwickelt hat.

Öha, dachte ich mir da, das ist ja spannend. Ein Masterplan bis 2020. Waren Fünfjahrespläne nicht seit Ende der Sowjetunion etwas aus der Mode gekommen? Nun scheinen sie ein Revival zu feiern. Gerhard Schröder hat mit seiner „Agenda 2010“ (sprich: „Agenda zwanzig-zehn“) die Idee längerfristiger Entwicklungspläne wieder salonfähig gemacht, und wenn man heute nach „Agenda 2020“ googelt, kann man unter fast 400.000 Treffern wählen.

Meine Agenda 2020

Ja, ich gebe es zu: Auch ich habe eine „Agenda 2020“ (sprich: „Agenda zwanzig-zwanzig“). Der große Unterschied zu politischen Masterplänen: Meine Agenda 2020 besteht aus einer handgeschriebenen Notizblockseite – und hat eine realistische Chance, auch tatsächlich umgesetzt zu werden.

Ich kann mir vorstellen, dass ich damit meinen Ruf als „Normalster unter den Schrägen oder Schrägster unter den Normalen“ (Martin Schmidt) einmal mehr bestätige. Es mag ungewöhnlich erscheinen, als Ein-Personen-Unternehmen einen Fünfjahresplan zu verfolgen – ja vielleicht sogar etwas größenwahnsinnig.

Doch ist es das wirklich? Nein, ich glaube nicht. Denn es geht in meiner Agenda 2020 im Grunde nur um zwei ganz konkrete Fragen:

  1. Wie ist meine derzeitige Situation – und in welchen Aspekten bin ich damit nicht zufrieden?
  2. Wie soll es statt dessen sein?

Nicht viel dahinter, oder? Nun ja, im Detail dann vielleicht doch.

Weg von…

Punkt 1 fällt uns noch relativ leicht: Die Dinge aufzuzählen, mit denen man nicht zufrieden ist… darin haben wir eh Übung. Die Frage „Wovon will ich weg?“ ist aber der unabdingbare Startpunkt, weil er die Schmerzpunkte aufzeigt, die uns motivieren, etwas zu ändern.

Hin zu…

Punkt 2, und das fällt mir immer wieder auf, ist wesentlich schwieriger. Sich eine Vorstellung zu machen, wie es sein soll und sich dann vielleicht noch zu überlegen, wie man dort hinkommt… Da bleiben viele lieber beim Jammern über den Status Quo. Die Frage „Wo will ich hin?“ macht nämlich auch Angst, weil sie mit Veränderungen verbunden ist. „Better the devil you know“, heißt es im Englischen. Wir sagen: „Wer weiß, was nachkommt.“

Auch ich bin nicht angstfrei, oh nein. Aber ich habe mir vorgenommen, mir für die nächsten fünf Jahre etwas vorzunehmen.

Realistisch sein?

Ob meine „Agenda 2020“  realistisch ist? Keine Ahnung. Das ist auch die falsche Frage. Inwieweit ich meine Agenda 2020 realisieren kann, hängt zu einem Teil von externen Faktoren ab (Kunden, Konkurrenz, Glück), aber zu einem Gutteil auch von mir selbst: Von meinem Mut, meiner Konsequenz, meiner Kreativität, meinem strategischen Vorgehen und von meinem Geschick, zur richtigen Zeit die richtigen Helfer zu gewinnen.

Und nicht zuletzt wird es darauf ankommen, wie konsequent ich bei meinem Vorhaben bleibe. Denn Rückschläge werden nicht ausbleiben, es wird mir (wie üblich) alles viel zu langsam gehen, und Ablenkungen (so genannte „neue Geschäftsideen“) werden mich bezirzen. Aber wie Odysseus kenne ich mein Ziel, und das macht die Reise sehr viel leichter.

PS: Wer sich jetzt schon die ganze Zeit fragt, wie meine „Agenda 2020“ nun konkret aussieht: Das muss mein Geheimnis bleiben. Warum? Derek Sivers: „Keep your goals to yourself“


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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