Das Zen des Autokaufs – Eine moderne Zen-Geschichte

Autokauf

Mein Freund Michi hat mir auf einer gemeinsamen Autofahrt die folgende Geschichte erzählt, in der es darum geht, wie er sich unlängst innerhalb von drei Stunden ein neues Auto gekauft hat.

Unverhofft kommt oft

Die Geschichte beginnt denkbar unglücklich: Eines Morgens um 4 Uhr früh läutet die Polizei bei Michis Wohnung in Wien Währing. Er müsse seinen Golf von dessen Parkplatz entfernen, weil das Auto einen Totalschaden habe – und das bitte innerhalb von zwei Stunden, sonst gäbe es eine Strafe. Was für ein Start in den Tag.

Wie sich herausstellte, war ein betrunkener Paketfahrer in Michis parkenden Golf gekracht, und zwar so, dass der Motor des Golf neben dem Auto zu liegen kam. Auch zu dieser nachtschlafenden Zeit war Michi sofort klar: An eine Reparatur war nicht mehr zu denken. Ihm blieb nichts anderes übrig, als die Dinge seinen Lauf nehmen zu lassen: Er verständigte den ÖAMTC und meldete sich bei seiner Versicherung.

Der mühsamste Teil stand Michi aber noch bevor: Er musste sich ein neues Auto besorgen.

Dazu muss man wissen, dass Michi wahrlich kein Auto-Narr ist. Ein Auto ist für ihn ein reiner Gebrauchsgegenstand. Deshalb war die Aussicht, sich nun ein neues Auto kaufen zu „dürfen“, keineswegs euphorisierend für ihn – eher Kategorie „eingewachsener Zehennagel“.

Was nun? Was tun?

Was aber Michi zu einem so wunderbaren Menschen macht, ist, wie er dieses Problem angegangen ist. Er hat sich nämlich gesagt: Ich habe keinerlei Anhaltspunkte, was Marke, Farbe oder Ausstattung meines neuen Autos betrifft. Das ist mir alles völlig wurscht. Die Suche nach einem neuen Auto könnte Wochen, ja Monate dauern. Ich habe aber echt keine Lust, meine Freizeit mit der Autosuche zu verbringen. Ich mache Folgendes: Ich gehe auf willhaben.at und kaufe mir ein Auto von der ersten Seite. Punkt, aus, basta.

Und da Michi definitiv ein Mann der Tat ist, hat er genau das gemacht. Er fand auf Seite 1 einen Citroen C4 Picasso in rot. Das Auto sah recht gut erhalten aus, aber sein Interesse erregte ein Detail im Angebotstext. Der Verkäufer schrieb nämlich: „Wer das Auto heute noch kauft, bekommt es um 5.000 Euro.“

Das war für Michi ein Zeichen des Himmels. Sofort rief er den Verkäufer an und vereinbarte einen Besichtigungstermin. Dann fuhr er mit dem Citroen zum ÖAMTC, um einen Ankaufs-Check machen zu lassen. Michi staunte nicht schlecht, als der ÖAMTC-Mechaniker ihm sagte. „Das Auto ist super beinander. Außerdem steht es mit 12.000 Euro in der Liste. Wenn Sie es nicht kaufen, kaufe ich es.“

Michi konnte es förmlich spüren: Heute hatte er einen Lauf. Und von da an ging es Schlag auf Schlag: Er ging zur Bank, hob das Geld ab, gab es dem Vorbesitzer, meldete das Auto an und kümmerte sich um das Parkpickerl. Seit dem ersten Anruf waren gerade mal drei Stunden vergangen, und Michi war (und ist bis heute) glücklicher Besitzer eines neuen Citroen C4 Picasso.

Zen im Alltag

Als mir Michi diese Geschichte erzählte, dachte ich bei mir: Wow, das ist Zen pur! Warum? Das möchte ich euch anhand von drei Aspekten in Michis Geschichte erläutern.

  • Einschränkung gibt Freiheit: Wenn wir uns zu viele Optionen offen halten, geht meistens gar nichts weiter. Erst indem wir uns selbst einschränken und unsere Auswahl begrenzen, werden wir handlungsfähig. Sonst scheitern wir an der Qual der Wahl.
  • Worauf kommt es eigentlich an? Michi hat sich klar überlegt, was er will und was nicht. Ja, er will ein neues Auto, aber er will dafür nicht seine Wochenenden opfern. Er hat das Nötigste getan, um eine gute Wahl zu treffen, aber nicht mehr. Und wahrscheinlich hat er damit eine genauso gute Entscheidung gefällt, als wenn er wochenlang recherchiert, besichtigt und Angebote verglichen hätte.
  • Jederzeit eine Kuh kaufen können: Eine alte Bauernweisheit lautet, dass man immer so viel Geld haben sollte, dass man jederzeit eine Kuh kaufen kann. Soll heißen: Es gibt immer jemanden, der dringend Geld braucht und etwas verkaufen muss (zB eine Kuh). Wer dann das nötige Geld bereit hat und schnell entscheiden kann, der kann ein echtes Schnäppchen machen. Wer dazu nicht in der Lage ist, kann nur zusehen, wie ihm eine gute Gelegenheit vor seinen Augen davon schwimmt.

Nochmals danke, lieber Michi, für diese Geschichte und allzeit gute Fahrt!

PS: Der Vollständigkeit halber (und als kleine Warnung) sei nur erwähnt, wie Michis Freundin reagiert hat, als er ihr vom spontanen Autokauf berichtete: „Aha. Da hättest du mir aber schon vorher was sagen können, oder?“ 😉

Bildquelle: www.motor-talk.de



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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