Wie finde ich meine Bestimmung?

Suche-Bestimmung-Hakone

Es ist eine Frage, die viele von uns in der Generation Y umtreibt wie kaum eine andere: „Was ist meine Bestimmung? Wie finde ich heraus, welche Bestimmung in mir steckt? Und wenn ich meine Bestimmung gefunden habe – wie weiß ich dann, ob das wirklich DIE Bestimmung ist?“

Unser Glaube an DIE Bestimmung

Eines ist klar: Diese Fragen gründen sich auf der Annahme, dass es so etwas wie „die Bestimmung“ gibt – also etwas, für das jeder Mensch berufen ist. Etwas, das er/sie bestimmt ist, der Welt zu geben. Etwas, das nur er/sie kann, ein einmaliges Talent. Wenn er/sie diese Bestimmung nicht findet und ihr nicht folgt, dann geht der Welt etwas Unwiederbringliches verloren. Aber wenn jemand seiner Bestimmung folgt, dann wird sich Arbeit für ihn/sie nie mehr wie Arbeit anfühlen, weil alles von Sinn und Spaß erfüllt ist. Im Englischen läuft dieses Phänomen übrigens unter den Bezeichnungen „calling“, „purpose“, „destiny“ usw. Meint alles das Gleiche.

An dieses Konzept muss man glauben, sonst greift man sich beim Lesen dieser Zeilen natürlich auf’s Hirn. Also: Wenn du dir jetzt auf’s Hirn gegriffen hast, hast du in diesem Beitrag die Chance, in die mysteriöse Gedankenwelt vieler Menschen zwischen 20 und 40 einzutauchen. (Keine Angst, es wird nicht weh tun). Wenn du dir aber gedacht hast „Ja, genau, Günter, das frage ich mich auch ständig!“ – na dann bist du sowieso die Zielgruppe.

Warum glauben wir, was wir glauben

Ich schlage vor, dass wir zu Beginn kurz beleuchten, wo der Glaube an die Bestimmung jedes Menschen eigentlich her kommt. Denn da sind wir auch schon beim Kern des Problems: Ich habe KEINE Ahnung, wo dieser Glaube herkommt – aber er steckt ganz, ganz fest in uns drinnen. So fest, dass wir ihn praktisch nie hinterfragen.

Meine ehrlich gemeinte Frage jetzt an alle LeserInnen, die glauben, dass jeder Mensch eine Bestimmung hat: Warum glauben wir das? Haben wir das aus der Schule? Von den Eltern? Aus dem Fernsehen? Aus  Unternehmensgründerprogrammen? Aus amerikanischen Ratgeberbüchern? Aus Selbsthilfeseminaren? Aus der Bibel?

Für sachdienliche Hinweise wäre ich sehr dankbar. Hinterlasse diese bitte gerne auf Facebook.

Traumprinzessin und Traumjob

Naja, jedenfalls ist der Glaube da, woher auch immer, und geht auch nicht weg. Jetzt passiert aber Folgendes: Wenn du davon ausgehst, dass du DIE EINE Bestimmung hast, die es zu finden gilt, dann ist natürlich alles, was nicht DIE Bestimmung ist, reinste Zeitverschwendung. Das ist genauso, wie wenn du Mädels datest und deine Traumprinzessin suchst. Das Problem dabei: Egal, welches Mädel du gerade datest, du weißt nicht, ob das jetzt schon deine Traumprinzessin ist oder ob es sich noch zu warten lohnt.

Verflixte Sache, zumal die Frage nach der Bestimmung in der Generation Y vor allem mit dem Themenfeld „Job und Karriere“ verbunden ist. Weit seltener suchen wir unsere Bestimmung in privaten Themen wie Beziehungen, Freunde oder Familie. Und wenn, dann deswegen, weil wir es aufgegeben haben, unsere Bestimmung im Job zu suchen. Nicht erst einmal habe ich eine junge Frau sagen gehört: „Mein Job ist furchtbar, völlig sinnlos. Aber das ist ja jetzt egal, ich bin eh schwanger.“ Der Job wird als Bestimmungssuchfeld aufgegeben, die Suche beginnt nun beim Baby. Vielleicht schreien Kleinkinder deswegen so oft.

Was weiß ich, ich bin kein Psychologe. Ich sage nur: Wenn du tief und fest glaubst, dass du eine Bestimmung hast, die tief und fest in dir steckt, die du entdecken kannst und mit der du, wenn du sie gefunden hast, bis ans Ende deiner Tage zufrieden leben und arbeiten wirst, dann hast du dir für deine Suche nach dem Lebensglück eine ganz schöne Herausforderung gestellt.

Ist das schon meine Bestimmung?

Das Problem ist nämlich: Egal, was du gerade arbeitest, ob du selbständig bist oder nicht, du kannst dir nie ganz sicher sein, ob du wirklich schon bei deiner Bestimmung angekommen bist. So entsteht ein Gefühl der Rastlosigkeit, des Nie-Wirklich-Ankommens. Glaub mir, ich weiß, wovon ich schreibe.

Wenn es nicht ohnehin schon durchgeklungen ist: Ja, auch ich bin ein Bestimmungs-Sucher. Ja, auch ich mache mir damit das Leben manchmal schwerer, als es sein müsste.

Entspanntere Bestimmungssuche

Dieser Tage habe ich aber zwei tröstliche Gedanken aufgeschnappt, die mich in meiner Bestimmungssuche sehr entspannt haben. Entspannung ist nämlich genau das, was wir Sinnsucher am dringendsten brauchen. Sonst steht unsere Bestimmung nämlich eines Tages vor uns, und wir sehen den Wald vor lauter Bäumen nicht.

Hier also zwei Gedanken für die entspanntere Bestimmungssuche:

  1. Vergiss nie, dass die Suche nach der Bestimmung ein Prozess ist. Es braucht ein Leben, um sie zu finden. Hab Geduld, hab Vertrauen und gibt dir Zeit, aber geringschätze auch nicht das, was du bereits über deine Bestimmung weißt. Zu wissen, was man alles nicht will, ist schon ein großer Schritt in die richtige Richtung.
  2. Ersetze das Wort „Bestimmung“ (calling) versuchsweise mal durch das Wort „Kümmerung“ (caring). Kümmern kann man sich nämlich um mehrere Dinge gleichzeitig. Was sind die Dinge, um die du dich in deinem Leben, so wie es jetzt ist, kümmern magst? Was ist dir jetzt gerade wichtig an den Dingen, die schon da sind? Kümmere dich um diese Dinge/Menschen/Herausforderung, mit ganzem Herzen und ganzem Hirn. Vielleicht ist ja genau das deine Bestimmung?

 



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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