Das Rätsel der Cola-Flasche

Colaflasche

Mich kann eine Cola-Flasche einen ganzen Abend lang beschäftigen und sogar genügend Material für einen Blog-Beitrag liefern. Erstaunlich.

Vorgestern Abend läutet es an unserer Wohnungstür. Wer kann das sein? Die Nachbarn wohl nicht, weil wir haben gar kein Amazon-Packerl für sie angenommen. Komisch. „Günter, gehst du?“, fragt Viki. Klar gehe ich, weil ich bin neugierig. Also drehe ich zweimal den Schlüssel, öffne die Türe… und staune.

Vor mir stehen drei junge Damen in kräftig-rotem Outfit. Noch bevor ich checke, was da überhaupt läuft, fragt mich eine davon (sie hatte blonde Haare und ein freundliches Lächeln – zumindest in meiner trüben Erinnerung): „Darf ich Ihnen eine Flasche Coca Cola schenken?“

Ich, immer noch ganz verdutzt, murmle so etwas wie „Oh, das ist aber sehr nett.“ – und schon drückt sie mir eine Ein-Liter-Cola-Flasche in die Hand. „Und nicht vergessen: Gemeinsam schmeckt’s am besten!“, sagt die junge Dame noch im Weggehen. Sie geht, ich schließe die Tür, die Cola-Flasche kommt in den Kühlschrank – und mein Gehirn nimmt seine Arbeit auf.

„Was war da gerade?“, fragt mich nicht nur Viki. Das frage ich mich nämlich selbst auch. Da hat mir gerade jemand eine Flasche Cola geschenkt. So weit, so klar – aber hat das zu BEDEUTEN? Was steckt da dahinter? Was ist der SINN? Dieses ungelöste Rätsel schickt mein Gehirn in heavy rotation – den ganzen restlichen Abend.

Es ist schon interessant, wenn man sich selbst beim Denken zuhört. Ich empfehle das jederman und jederfrau, weil man da viel über sich selbst lernt. Wenn man den Mut dazu hat. Als kleine Anregung bekommt jeder, der mag, in diesem Blog einen kleinen Einblick in die Gedankenwelt des Günter Schmatzberger, wenn ihm völlig unerwartet eine Cola-Flasche geschenkt wird:

  1. Wo ist der Haken? Wenn mir jemand etwas gibt, dann will der doch meistens auch was von mir. Das sagt mir meine Lebenserfahrung. Aber die Dame wollte nichts. Zumindest hat sie nichts gesagt. Aber wenn jemand, wie in diesem Fall, nicht erkennbar eine Gegenleistung verlangt, dann holt einen das mitunter irgendwann wieder ein. Auch das sagt meine Lebenserfahrung. Ich begebe mich also auf die Suche nach „dem Haken“, weil es für mich leichter zu akzeptieren ist, dass der Haken gut versteckt ist, als dass es keinen gibt.
  2. Warum? Und warum ausgerechnet ich? Aha, ich habe also eine Cola-Flasche geschenkt bekommen. Aber warum? Wie komme ich dazu? Wir Menschen brauchen immer eine plausible Erklärung, wenn etwas geschieht, das wir nicht auf Anhieb verstehen. Davon leben die vielen Kommentatoren und Experten in Funk und Fernsehen. Weil ich aber gerade keinen Filzmaier oder Prohaska zur Hand hatte, musste ich mir selbst die Frage beantworten, warum mir Coca Cola eine Flasche ihrer Hausmarke schenken sollte. Ausgerechnet mir, wo ich zwar Cola nicht gänzlich ablehne, aber ich mit einer Schachtel gratis Vanilletee mehr Freude gehabt hätte (mit Vanille-Cola übrigens auch). Interessantes Detail am Rande: Ich habe sogar Google eingespannt, um Belege dafür zu finden, dass Coca Cola gerade eine Promotion-Aktion in Ottakring macht. Ergebnislos, allerdings.
  3. Warum habe ich „ja“ gesagt? Ich hätte die Cola-Flasche ja auch ablehnen können. Das hätte die Frage zwar nicht geklärt, warum ich sie überhaupt angeboten bekommen habe, aber ich würde mir wenigstens das Grübeln über den Haken ersparen. Schon interessant, dass meine spontane Reaktion „ja“ war. Bedeutet dass, dass ich generell ein leichtes Opfer für Haustürgeschäfte bin? Oder bedeutet das, dass ich Coca Cola viel lieber mag, als ich bisher dachte? Oder bin ich gar einem freundlichen Lächeln erlegen?
  4. Was wollte sie mir damit sagen? „Gemeinsam schmeckt’s am besten!“, sagte die junge Dame beim Weggehen… aber was MEINTE sie damit? Soll ich die Flasche mit meiner Familie trinken? Mit meinen Nachbarn, wenn sie das nächste Amazon-Packerl bei uns holen? Oder gar mit ihr? Kann ja wohl nicht sein… oder? Hat sie mich deswegen so angelächelt?

Gott sei Dank konnte Viki zumindest die letzte Frage auflösen, indem sie mich auf den Boden der Realität zurückholte und mir die aktuelle Werbung von Coca Cola vorspielte. Aha, „Gemeinsam schmeckt’s am besten“ ist also der neue Slogan. Passt dazu und ist auch besser für den Hausfrieden. Jemand, der so selten fernsieht wie ich, kann da schon mal zu falschen Schlussfolgerungen kommen.

Der Rest des Rätsels bleibt vorläufig ungelöst. Wahrscheinlich hat mir eine Coca-Cola-Promotion-Dame einfach nur eine gratis Flasche Cola geschenkt, einfach so. Die simple Erklärung ist meistens die richtige, sagt meine Lebenserfahrung. Aber über alle anderen möglichen und unmöglichen Erklärungen nachzudenken, finde ich wesentlich lustiger.

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