Wenn mir auch das Leichte schwer fällt

Durchhänger

Manchmal geht mir alles leicht von der Hand, manchmal ist aber selbst das vermeintlich Einfache mühsam. Vorige Woche war wieder mal so eine Woche, wo alles viel anstrengender als sonst. Kurz: Irgendwie war ich schlecht drauf.

Solche Phasen sind mir nicht neu. Kommt immer wieder mal vor und kennt wohl jeder. Aber ich empfinde sie als besonders unangenehm. Weil nämlich: Ich bin selbständig und arbeite viel im Home Office. Das bedeutet, dass ich niemanden habe, der mir in solchen Phasen in den Hintern tritt. Ich bin selbst dafür verantwortlich, mich zu motivieren. Das klappt auch meistens ganz gut. Ich arbeite gerne zuhause und komme meistens ganz gut damit zurecht, mich selbst zu managen und zu motivieren.

Selbstmanagement in der Krise

Nur eben nicht immer. Wie vorige Woche, da war es wirklich zach. Aber ganz unvorbereitet hat es mich nicht getroffen. Erstens, weil ich weiß, dass ich um diese Zeit jedes Jahr einen Durchhänger habe. Und zweitens, weil ich mir ein kleines Selbstmanagement-Tool geschaffen habe, das mir durch solche Phasen hilft.

Dieses Tool ist, wie könnte es bei mir anders sein, eine Liste. Nämlich eine Liste mit 30 möglichen Gründen für meinen Durchhänger. Diese Gründe habe ich über die Jahre gesammelt, und wenn mir sämtliche Motivation zu fehlen scheint, kann ich mir sicher sein, dass es an einem (oder mehreren) dieser Gründe liegt. Hier also meine Liste:

30 mögliche Gründe für meinen Durchhänger

  1. Hast du zu wenig geschlafen?
  2. Hast du zu wenig Bewegung gemacht?
  3. Warst du zu wenig an der frischen Luft? Zu wenig gelüftet?
  4. Ist gerade schlechtes Wetter / zu wenig Sonne?
  5. Hast du in letzter Zeit nicht meditiert?
  6. Hast du in letzter Zeit zu wenig, nicht regelmäßig oder zu ungesund gegessen?
  7. Hattest du zu wenig Kontakt zu Familie und/oder Freunden? Fühlst du dich einsam?
  8. Arbeitest an einem Projekt, das dir eigentlich gar nicht taugt?
  9. Hast du von jemandem schlechtes Feedback bekommen?
  10. Hast du zu viele To Dos gleichzeitig? Weißt du nicht, wo du anfangen sollst?
  11. Hast du in letzter Zeit deine Prioritäten nicht gesetzt? Weißt du, was als nächstes auf dem Plan steht?
  12. Hast du keine verlässliche Ordnung in deinem System mehr? Geht dein Posteingang über, ist Evernote durcheinander, ist ein Sodom und Gomorrah in der Wohnung?
  13. Ist eine Beziehung zu einem wichtigen Menschen/Kunden (vermeintlich) gestört?
  14. Hattest du zu wenige freie Tage in letzter Zeit?
  15. Hattest du zu wenig Austausch mit anderen über die Dinge, an denen ich gerade arbeite, die dir  gerade durch den Kopf gehen?
  16. Hast du ein schlechtes Gewissen, weil du dir Freizeit nimmst, obwohl du auch arbeiten könntest?
  17. Hast du Geldsorgen?
  18. Gibt es Probleme in der Familie? Ist jemand krank?
  19. Fühlst du dich krank? Bist du erkältet?
  20. Hast du ein schlechtes Gewissen, weil eine längst fällige Aufgabe (Anruf, e-Mail oder so) schon so lange liegt? Hast du eine „Leiche im Keller“?
  21. Hörst du in letzter Zeit zu wenig Musik?
  22. Gibt es irgend etwas, das du mit Viki besprechen solltest?
  23. Hast du zu wenig getrunken?
  24. Wartest du auf ein (vermeintlich) wichtiges Mail, einen (vermeintlich) wichtigen Anruf?
  25. Hast du deine Vision aus den Augen verloren? Weißt du noch, worum es dir eigentlich geht?
  26. Liest du gerade ein bedrückendes Buch oder schaust du eine deprimierende Serie?
  27. Wartest du auf Feedback zu einer (vermeintlich) wichtigen Sache, mit der du dich verletzbar gemacht hat?
  28. Bist du (scheinbar) grundlos schlecht drauf?
  29. Hast du in letzter Zeit zu wenig Kreatives gemacht? Wann hast du das letzte Mal Keyboard gespielt?
  30. Warst du schon lange nicht mehr bei einem Konzert? Vermisst du die Live-Musik?

Wie die Liste wirkt

Vielleicht kennst du das ja: Wenn man schlecht drauf ist, dann ist es oft gar nicht so einfach, den Grund dafür zu benennen. Man weiß oft gar nicht, woran es liegt – und daher ist es oft auch so schwierig, etwas dagegen zu tun. Das Tolle an dieser Liste ist für mich, dass sie wie eine Checklist funktioniert: Ich kann Punkt für Punkt durchgehen und sagen: „Nein, daran liegt’s nicht… Nein, das auch nicht… Nein… Nein… Oh ja, stimmt, daran könnte es liegen…“ usw.

Aus meiner Erfahrung ist es schon sehr beruhigend, den Grund (oder die Gründe) zu kennen. Das heißt aber nicht, dass man sofort etwas unternehmen muss. Ich finde es auch okay, mal nicht so gut drauf zu sein und auch dazu zu stehen. Aber wenn ich dann wieder so weit bin und mir sage „Okay, genug davon.“, dann weiß ich punktgenau, wo ich ansetzen kann. Denn oft ist mit drei, vier Kleinigkeiten die Welt wieder in Ordnung.

Kennst du „deine“ Liste?

Hast du dir schon mal Gedanken gemacht, wo deine Durchhänger herkommen? Ich kann nur empfehlen, so eine „Liste der Durchhänger-Gründe“ zu schreiben. Erstens lernt man sich selbst dabei besser kennen, und zweitens wirkt sie wie ein Erste-Hilfe-Koffer bei Motivationsstörungen. Deine Liste wird ganz individuell sein und dir auch ein gutes Bild davon geben, was dich motiviert bzw. was dich runterzieht. Es gibt dabei auch kein Richtig oder Falsch. Wichtig ist aus meiner Sicht nur, dass du ehrlich mit dir selbst bist.

Wer sich traut, kann seine Liste schließlich noch mit seinem Partner oder seiner Partnerin teilen. Das macht es unter Umständen auch leichter für den/die Andere/n, deine Misslaune auszuhalten. Nicht erst einmal hat ein lieb gemeintes „Komm, iss zuerst mal was.“ von Viki meinen Tag und unsere Beziehung gerettet. 🙂



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
Mehr über Zen im Alltag und im Business gibt es auch im Mein-Zengarten-Newsletter oder auf unserer Facebook-Seite.

 

 

 

 

 

 

 

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