Erledigen und erfüllen

Hast du dir schon mal Gedanken darüber gemacht, was der Unterschied zwischen „erledigen“ und „erfüllen“ ist? Ich glaube, die Adventszeit ist eine schöne Gelegenheit, genau das zu tun.

Ich habe ja schon darüber gebloggt, dass ich einen Sprechtechnik-Kurs besuche. Gestern Abend war die letzte Einheit, und ich möchte in diesem Blog einem Gedanken nachgehen, den ich daraus mitgenommen habe.

Ein wesentlicher Teil (wenn nicht der wesentliche Teil) von Sprechtechnik ist üben. Üben, üben, üben. Im konkreten Fall: Schwierig auszusprechende Wörter laut vorlesen. So laut, dass es alle anderen Teilnehmer und der Trainer und deutlich hören können. Und wie es beim Üben halt so ist… man macht dabei Fehler. Laute und deutliche Fehler.

Fehler zu machen ist den allermeisten Menschen unangenehm. Man will sich einer möglichen Kritik nicht aussetzen und versucht mit allen Mitteln, sich aus solchen Situation rauszuwinden. Dieser Sprechtechnik-Kurs war ein Musterbeispiel dafür: Beeindruckend die Vielzahl der Techniken und Taktiken, die bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Einsatz gekommen sind, um diese unangenehmen Übungen so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Und ich nehme mich da gar nicht aus.

Unser Kursleiter Tibor ist aber ein schlauer Fuchs (wird übrigens im Bühnendeutsch korrekt „Fux“ ausgesprochen, nicht „Fuchs“). Er hat alles schon gesehen und vor allem gehört. Deshalb hat er uns etwas Wichtiges mit auf den Weg gegeben: Wir sollen auf den Unterschied achten zwischen „eine Aufgabe erledigen“ und „eine Aufgabe erfüllen“. Das ist nämlich keineswegs das Gleiche.

„Eine Aufgabe erledigen“ bedeutet, sie so schnell wie möglich hinter sich zu bringen. Mit dem geringsten Aufwand, nur mit dem allernötigsten Engagement und mit dem geringsten Widerstand. Hauptsache, man hat danach wieder seine Ruh.

„Eine Aufgabe erfüllen“ bedeutet, sich auf die Aufgabe ganz einzulassen. Zu akzeptieren, dass sie im Moment unangenehm sein kann – aber ihr nicht auszuweichen, keine Abkürzungen oder Vermeidungsstrategien zu suchen. Sein Bestes geben und gleichzeitig zufrieden damit zu sein, dass das Ergebnis unperfekt ist.

Wenn man sich diesen Unterschied vor Augen hält, kann man durchaus ins Grübeln kommen. Wie ist das denn bei mir?

  • Die Aufgabe, einen Blog-Artikel zu schreiben: Erledige oder erfülle ich die?
  • Die Aufgabe, ein Weihnachtsgeschenk für meine Eltern zu finden: Erledige oder erfülle ich die?
  • Die Aufgabe, mit meinem Kind spazieren zu gehen: Erledige oder erfülle ich die?
  • Die Aufgabe, ein e-Mail an einen Kunden oder Kollegen zu schreiben: Erledige oder erfülle ich die?
  • Die Aufgabe, einen Christbaum zu kaufen und zu schmücken: Erledige oder erfülle ich die?

Lasst uns die Advents- und vor allem die Weihnachtszeit zum Anlass nehmen, mehr „Erfüllung“ in unsere Leben zu bringen und weniger „Erledigung“.

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