Freundlichkeit zahlt sich aus

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„Meine Philosophie ist Freundlichkeit“, sagt der Dalai Lama von sich. Und damit dürfte er eine sehr weise Taktik gewählt haben.

Gestern ist mir nämlich ein interessanter Artikel untergekommen. Unter dem Titel „Für Freundliche gibt es mehr zu schlecken“ berichtet der/die ungenannte Autor/in (vielleicht ein Ferialpraktikant?) darin von folgendem Experiment:

An mehreren aufeinanderfolgenden Tagen bestellten die „Kunden“ über 100 Tüten Eiscreme und mehr als 800 Dönerwraps. Dabei testeten sie nicht nur den einmaligen Einfluss von Komplimenten und Trinkgeld auf das Verhalten der Verkäuferinnen und Verkäufer, sondern auch die Effekte, die diese zusätzlichen Anreize über mehrere Tage hinweg entfalten.

Die Ergebnisse legen eine Schlussfolgerung nahe: Bereits ab dem ersten Kompliment oder dem ersten Trinkgeldbetrag kann die bestellte Portion größer werden. Zieht sich das freundliche Verhalten gegenüber dem Personal über einen längeren Zeitraum hin, verstärkt das den Effekt zusätzlich.

Da haben wir also wissenschaftlich bestätigt, was wir eh schon längst wissen: Freundlichkeit zahlt sich aus. Wer freundlich ist, hat (im wahrsten Sinn des Wortes) mehr vom Leben.

Jetzt drängt sich mir natürlich folgende Frage auf: Wenn das so ist, warum sind dann nicht mehr Menschen öfter freundlich? (Ich will ja nicht gleich verlangen, dass alle Menschen immer freundlich sein sollen. Das Leben ist ja kein Wunschkonzert.)

Mir fällt darauf nicht wirklich eine gute Antwort ein. Aus meiner Sicht wäre Freundlichkeit nämlich immer eine Win-Win-Situation. Ich habe selbst oft erfahren, dass Freundlichkeit praktisch immer Gegen-Freundlichkeit erzeugt. Ich habe auch erfahren, dass ich mit Freundlichkeit Widerstände ausräumen kann. Und ich habe erfahren, wie durch Freundlichkeit viele Widerstände erst gar nicht entstehen.

Vielleicht liegt es daran, dass Freundlichkeit zuweilen mit Schwäche verwechselt wird, und niemand will ein Schwächling sein. Das ist aber eine folgenschwere Verwechslung. Freundlichkeit bedeutet nämlich nicht, zu allem Ja und Amen zu sagen. Es bedeutet viel mehr, die Sichtweise des Anderen zu respektieren und ihr ruhig, aber bestimmt die eigene Sichtweise entgegenzuhalten. Nach dem Motto: Hart in der Sache, weich zu den Menschen.

Das ist eine hohe Kunst. So gesehen können es sich auch nur die wirklich Starken „leisten“, aufrichtig freundlich zu sein.

Oder, wie es die Bibel formuliert:

„Hält sich jemand von euch für klug und weise? Dann soll das an seinem ganzen Leben abzulesen sein, an seiner Freundlichkeit und Güte. Sie sind Kennzeichen der wahren Weisheit.“ (‭‭Jakobus‬ ‭3:13‬)

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