Die fünf gefährlichsten Wörter der deutschen Sprache

Gefährliche Wörter

Es lohnt, wenn wir uns beim  Sprechen zuhören. Im Unscheinbaren lauert nämlich die Gefahr.

1. Wir (Personalpronomen, 1. Person Plural)

„Wir“ ist gefährlich, weil „wir“ vereinnahmend ist. Durch ein „wir“ wird man Teil einer Gruppe, ob man will oder nicht. Im „wir“ tritt das Individuum hinter der Gruppe zurück und geht gleichsam darin auf. „Wir Österreicher“ suggeriert, dass es so etwas wie eine homogene Gruppe von Österreichern gibt, mit homogenen Eigenschaften und Meinungen. Dabei müsste ein „wir“ doch mehr sein als die Summe seiner Teile. Vielfach ist ein „wir“ aber weit weniger. Deshalb Obacht bei allen „wir“, zu denen du dich zählst oder zu denen du gezählt wirst. Ist dir immer bewusst, wozu du da (unfreiwillig) die Hand reichst?

 

2. Eigentlich (Adverb)

Wenn etwas „eigentlich super“ ist, dann ist etwas faul. „Eigentlich“ relativiert alles, stellt jeden Umstand in Zweifel. Jedem „eigentlich“ folgt (ausgesprochen oder unausgesprochen) ein „aber“, ein Haken. „Eigentlich“ ist verräterisch, weil es ausdrückt, dass man selbst nicht 100 %ig überzeugt ist von dem, was man sagt. Ist dir bewusst, wie oft du selbst das Wörtchen „eigentlich“ verwendest und damit deine eigenen Aussagen in Zweifel ziehst? In welchen Situationen, bei welchen Themen, bei welchen Menschen verwendest du „eigentlich“ besonders gerne?

 

3. Nur (Fokuspartikel)

„Nur“ ist ein bescheidenes Wort, es besteht ja selbst nur aus drei Buchstaben. „Nur“ will uns sagen, dass etwas gar nicht so viel ist: gar nicht so viel Mühe, gar nicht so viel Zeit, gar nicht so viel Geld. Deshalb ist „nur“ ein Lieblingswort aller Werber und sonstiger Personen, die uns von etwas überzeugen wollen. Das Problem mit „nur“ ist nur, dass was im Moment „gar nicht so viel“ erscheint, sich als Trojanisches Pferd entpuppen könnte. Wie viele „nur“ hast du in dein Leben gelassen, für die du jetzt hohe Zinsen zahlst?

 

4. Immer (Adverb)

„Muss es immer für immer sein?“, fragen Jupiter Jones. Eher schon, denn „immer“ beruhigt. „Immer“ beschwört nämlich die Illusion, dass es so, wie es im Moment ist, bis in alle Zeiten bleiben wird. Wer jedoch auf das Leben hört, stellt fest, dass nichts bleibt, wie es ist – niemals geblieben ist und nie bleiben wird. Würden wir „immer“ gänzlich aus unserem Wortschatz streichen, es würde uns nicht fehlen. Würden wir dadurch der Wahrheit des Lebens vielleicht sogar näher kommen?

 

5. Wahrheit (Substantiv, feminin)

Da wären wir schon wieder bei einem Wort, das uns in die Irre führt und für viel Leid und Kummer auf der ganzen Welt sorgt: „Wahrheit“ gibt es nämlich nicht. Oder besser gesagt: Es gibt unendlich viele Wahrheiten. Jeder hat seine eigene, ganz persönliche, aber niemand besitzt sie. Die Wahrheit liegt nicht nur im Auge des Betrachters, sie ist auch ein Kind ihrer Zeit. Wahrheit ist formbar, veränderbar, flüchtig. Wahrheit hat viele Gesichter. Sie lässt sich nicht pachten, und sie ist nicht zu finden. In Wahrheit ist alles wahr, woran zumindest ein Mensch glaubt. Kennst du deine persönlichen Wahrheiten, und gestehst du jedem anderen Menschen der Welt zu, seine eigenen Wahrheiten zu haben – auch wenn sie deinen radikal widersprechen?

 

 

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