Der Kult um den „Spaß an der Arbeit“

Spaß an der Arbeit?

Ich gebe es gerne zu, ich gehöre zur Generation Y (also zur Gruppe aller in den 1980ern und 1990ern Geborenen). Dieser Generation Y wird ja vieles nachgesagt, gerade in Hinblick auf ihre Einstellung zu Arbeit und Karriere. Eines dieser Vorurteile möchte ich mir diesmal etwas genauer ansehen: Die Gen Y suche nicht nur nach einem Job, sondern nach Arbeit, die sinnvoll ist und Spaß macht. Denn genau das halte ich für ziemlich gefährlich.

In der Generation meiner Eltern (die „Boomers“) war die Welt noch einfach: Ob jemand Erfolg im Beruf hatte, ließ sich ziemlich verlässlich daran messen, welche Position man in der Firmen-Hierarchie hatte und (oft direkt proportional) welches Gehalt damit verbunden war. Für beides galt: Je höher, desto erfolgreicher.

Geld (allein) macht nicht glücklich

Diese Erfolgsdefinition ist für die Gen Y nicht mehr geeignet. In Unternehmen, wo „flache“ Hierarchien vorherrschen, spielt (formaler) Status kaum mehr eine Rolle. Geld ist immer noch wichtig, aber es ist längst nicht mehr der einzige Indikator für „echten“ beruflichen Erfolg: Geschafft hat es, wer

  1. gut verdient (zumindest mehr als die Freunde, mit denen man sich vergleicht) UND
  2. eine sinnvolle Beschäftigung hat (d.h. das Gefühl hat, dass seine Arbeit zumindest ein bisschen dazu beiträgt, die Welt zu verbessern) UND
  3. Spaß am Arbeiten hat (und zwar immer oder zumindest die meiste Zeit).

Ich glaube, dass dieses Verständnis von beruflichem Erfolg unter allen zwischen 25 und 35 ziemlich unhinterfragt so akzeptiert ist. Und es klingt im Prinzip ja auch vernünftig: Im Leben geht es nicht nur um Geld, sondern auch darum, „einen Beitrag zu leisten“. Dass dieser Beitrag am leichtesten fällt, wenn man Spaß am Tun hat, ist auch klar. Wo ist also, bitte, das Problem?

Der Kummer mit dem Spaß

Das Problem ist, dass diese Erwartung sehr, sehr hoch ist. Kein Job der Welt macht immer Spaß. Und wer kann schon behaupten, dass seine Arbeit immer „sinnvoll“ ist? Noch dazu: Sind die Arbeiten, bei denen wir am meisten Freude und Sinn empfinden, nicht gerade die, die sich nicht wie Arbeit anfühlen (aber auch meistens nicht bezahlt sind)?

Heißt das nun, dass es eine Illusion ist, einen Job zu finden, der Geld bringt und Spaß macht und Sinn hat? Nein, natürlich nicht. Es gibt immer wieder Menschen, denen das gelingt. Herzliche Gratulation, wenn du dazu gehörst.

The Road To Hell

Der Haken ist nur: Diese Jobs gibt es nicht in unbegrenzter Menge. Jetzt wird vielleicht auch die Gefahr deutlich, die ich sehe: Die Gen Y hat den Anspruch, Geld-Spaß-Sinn-Jobs und damit beruflichen Erfolg zu finden. Nur: Es gibt nicht genug dieser Jobs für alle. Notwendigerweise werden viele Gen Yer deshalb in Tätigkeiten landen, wo entweder Sinn oder Spaß oder Geld fehlt (oder beliebige Kombinationen davon). Sie werden mit diesen Jobs unzufrieden sein, weil ihre Vorstellung von beruflichem Erfolg nicht (ganz) erfüllt ist. Sie werden sich immer fragen: Wo finde ich einen besseren Job?

Das betrifft Selbständige genauso wie Angestellte. Ich kenne beides und kann sagen: Auch der Schritt in die Selbständigkeit löst das Geld-Spaß-Sinn-Problem nicht. Ich habe als Selbständiger nicht weniger Kummer als als Angestellter, nur anderen.

Ich fürchte deshalb, dass am Anspruch, Geld-Sinn-Spaß-Jobs finden zu müssen, eine ganze Generation zerbrechen wird. Dieser Anspruch ist nämlich zu hoch für die derzeitigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Möglichkeiten, die sich uns bieten. Man kann nur sein Bestes dazu tun, sich sein Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. Aber man ist kein Versager, wenn die Arbeit (auch über einen längeren Zeitraum) keinen Spaß macht und sinnlos erscheint. Auch wenn uns gerne das Gegenteil gepredigt wird. Aber nur weil etwas Falsches oft wiederholt wird, wird es dadurch nicht richtiger.


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Business Trainer. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Business Trainer und mache mir „nebenbei“ Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag annehmen kann. Mit meinen handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Zen und meinen Spaß am Basteln zu verbinden. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
Mehr über Zen im Alltag gibt es auch im Mein-Zengarten-Newsletter oder auf Facebook.
Share this post