Das Zen des Helfens

Erste Hilfe

Vorige Woche war ich in Frankfurt/Main bei einem Projekttreffen des EU-Projekts „Youthcoach“, an dem ich mitarbeite.

Das Projekt beschäftigt sich mit Jugendlichen, die in Gefahr sind, ihre Ausbildung (Pflichtschule, Lehre etc.) abzubrechen und zu „Drop Outs“ zu werden. In der gesamten Europäischen Union sind es jährlich ca. sechs Millionen Jungendliche zwischen 18 und 24 Jahren, die ihre Ausbildung ohne Abschluss beenden. Das Problem dabei ist, dass es Drop Outs besonders schwer haben, einen Job zu finden. Ohne Abschluss zu sein bedeutet meistens auch ohne Job zu bleiben.

Die Frage, die uns in „Youthcoach“ bis August 2016 beschäftigt: Wie hilft man diesen Jugendlichen am besten?

Ein guter Coach…

Wir haben in Frankfurt vieles besprochen: Politische Rahmenbedingungen, die wirtschaftliche Situation, verschiedene nationale Ausbildungssysteme und Initiativen für Jugendliche ohne Ausbildung. Ein Weg, Jugendlichen zu helfen, sind Coaches, die ihnen in Krisenzeiten beistehen und neue Möglichkeiten aufzeigen.  Die tschechischen Projektpartner präsentierten dazu elf Kriterien, die aus ihrer Sicht einen guten Jugend-Coach ausmachen:

  1. Er (oder sie) ist vertrauenswürdig. Jugendliche fühlen sich sicher bei ihm (ihr).
  2. Er zeigt bedingungslose Akzeptanz, Authentizität und Empathie.
  3. Er versteht die Welt aus der Sicht von Jungendlichen.
  4. Während des Beratungsgesprächs ist er nur für den Jugendlichen da.
  5. Er glaubt an den jungen Menschen. Er zeigt Hoffnung und hat Zuversicht darin, dass der Jugendliche gute Lösungen findet, um seine Situation zu verändern. Er kann den Jugendlichen dabei helfen.
  6. Er kann zuhören, ohne zu unterbrechen. Er spricht viel weniger als der Jugendliche während des Beratungsgesprächs.
  7. Er lässt den Jugendlichen das Thema des Beratungsgesprächs wählen.
  8. Er hilft dem Jugendlichen, seine eigenen Lösungen zu finden, statt Rat zu geben und ihm zu sagen, was er machen / nicht machen soll.
  9. Er ist warmherzig, ruhig, sensibel, fürsorglich, offen, geduldig und engagiert.
  10. Jugendliche können in seiner Gegenwart sie selbst sein. Sie fühlen sich nicht beurteilt, kritisiert oder abgeschrieben.
  11. Er sieht den Jugendlichen als Experten seines Lebens.

… bringt mich auf ein Gedankenexperiment

Während die Diskussion daraufhin weiterlief, bin ich gedanklich noch ein paar Momente bei der Liste geblieben. Und dann kam mir eine Idee: Was ist, wenn ich „Coach“ durch „Günter“ ersetze und „Jugendlicher“ durch den Namen eines geliebten Menschen?

Dabei kam Folgendes raus:

  1. Günter ist vertrauenswürdig. Viki fühlt sich sicher bei ihm.
  2. Günter zeigt bedingungslose Akzeptanz, Authentizität und Empathie.
  3. Günter versteht die Welt aus der Sicht von Viki.
  4. Während des Gesprächs ist Günter nur für Viki da.
  5. Günter glaubt an Viki. Günter zeigt Hoffnung und hat Zuversicht darin, dass Viki gute Lösungen findet, um seine Situation zu verändern. Er kann Viki dabei helfen.
  6. Günter kann zuhören, ohne zu unterbrechen. Günter spricht viel weniger als Viki während eines Gesprächs.
  7. Günter lässt Viki das Thema eines Gesprächs wählen.
  8. Günter hilft Viki, ihre eigenen Lösungen zu finden, statt Rat zu geben und ihr zu sagen, was sie machen / nicht machen soll.
  9. Günter ist warmherzig, ruhig, sensibel, fürsorglich, offen, geduldig und engagiert.
  10. Viki kann in Günters Gegenwart sie selbst sein. Viki fühlt sich nicht beurteilt, kritisiert oder abgeschrieben.
  11. Günter sieht Viki als Expertin ihres Lebens.

Du kannst dieses Gedanken-Experiment auch ganz einfach selbst machen:

  • Ersetze „Günter“ durch deinen eigenen Namen.
  • Ersetze „Viki“ durch den Namen eines Menschen, der/die dir besonders wichtig ist: Partnerin, Partner, Kinder, Eltern, Freunde…

Helfen ist einfach

Was dabei (für mich) herausgekommen ist, war ein Aha-Moment: Vor mir sah ich plötzlich nicht mehr die Beschreibung eines Coaches, sondern die Beschreibung eines guten Helfers ganz allgemein. Das war kein Jobprofil mehr, sondern eine Liste von Eigenschaften, die sich wohl jeder von einem Menschen wünscht, den er um Hilfe bittet – egal in welcher Situation.

So schwierig es mir in vielen Situationen fällt zu erkennen, wie ich „richtig“ helfen kann, so einfach ist das „Zen des Helfen“ im Grunde:

  • Wenn du jemandem helfen willst, must du ihn/sie mögen. Ohne Zuneigung keine echte Hilfe.
  • Helfer zu sein bedeutet, für die andere Person Mensch zu sein. Menschlichkeit hilft am besten.
  • Gerade wenn du es gut meinst, musst du dich zurücknehmen. Es geht nicht darum, Lösungen anzubieten, sondern ums Zuhören, Mitfühlen, Vertrauen haben.
  • Hilf niemandem, der dich nicht um deine Hilfe gebeten hat.

Wie gesagt: Helfen ist einfach. Aber warum ist es dann oft alles andere als leicht?

Link Tipp: Want to help someone? Shut up and listen! Großartiger, lustiger TED-Talk von Ernesto Sirolli.


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Business Trainer. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Business Trainer und mache mir „nebenbei“ Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag annehmen kann. Mit meinen handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Zen und meinen Spaß am Basteln zu verbinden. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
Mehr über Zen im Alltag gibt es auch im Mein-Zengarten-Newsletter oder auf Facebook.

 

Share this post