Herbst ist die Zeit der Verzögerer

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Wie oft nehmen Sie sich eigentlich Zeit, um über die Zeit nachzudenken? Darüber, wie Sie Ihre Lebens-Zeit erleben, was Ihre „Eigenzeit“ ist oder welche Einflüsse Ihr Leben be- oder entschleunigen?

Wenn es Ihnen wie mir geht, dann lautet Ihre Antwort: Viel zu selten. Zeit wird für uns meist erst dann wichtig, wenn sie uns davonläuft oder schon gänzlich fehlt. Dann fragen wir uns, wo sie hin ist, die Zeit: Haben wir sie verschenkt (wem?), verbracht (wie?) oder gar verschwendet (warum?) ?  Haben wir sie genossen oder tot geschlagen?

Und: Haben Sie schon einmal Ihre Zeit verzögert?

Zum Zeit-Verzögern hatte ich am vergangenen Wochenende Gelegenheit. In Wagrain (Salzburg) fanden da nämlich die „Zeitgespräche“ statt, die der „Verein zur Verzögerung der Zeit“ jährlich veranstaltet. Diesmal unter dem Motto: Im Rausch der Optionen.

Nun besteht die berechtigte Frage, wie man sich einen „Verein zur Verzögerung der Zeit“ vorstellen kann. Ist das ein Haufen technologiefeindlicher Hippies, die gemeinsam von einer besseren Welt träumen? Gott sei’s gedankt, nein. Die rund 40 Vereinsmitglieder aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Spanien und Israel, die an den Zeitgesprächen teilgenommen haben, stehen mitten im Leben und sind Menschen wie du und ich. Der Background ist sehr unterschiedlich, aber gemeinsam ist ihnen der Wunsch, über die Zeit zu philosophieren und persönliche Erfahrungen im Umgang mit der Zeit auszutauschen – und das in angenehmer, angeregter und entschleunigter Atmosphäre. Und gerade deswegen wurden die Zeitgespräche zu einem wunderbaren Erlebnis für mich.

Aktiv verzögern

Ich habe aus Wegrain viele herzliche Begegnungen und neue Eindrücke aber auch sehr konkrete Ideen mitgenommen, wie wir besser mit unserer Zeit umgehen können. Zwei davon möchte ich gerne mit Ihnen teilen – als Anregung zum Nachdenken:

  • Wenn Sie einen Blick auf Ihren Kalender werfen: An welche Termine der kommenden Woche werden Sie sich auch noch in einem Jahr gerne (!) erinnern? Von diesen Terminen sollten Sie mehr haben. Aber was ist mit den übrigen Terminen? Warum haben Sie so viele davon?
  • Legen Sie doch mal eine Unwort-Deponie an, wo Sie alle Wörter entsorgen, die Sie einschränken oder von dem ablenken, was Ihnen im Leben wichtig ist. Auf meiner Unwort-Deponie liegen derzeit z.B. sich auszahlen, sich leisten, kalkulieren und Zeitfenster.

Und was machen Sie, um Ihre Zeit zu verzögern? Ich freue mich auf Ideen und Vorschläge in den Kommentaren!

Anregungen finden Sie auch unter www.zeitverein.com. Schauen Sie dort mal vorbei – frei nach dem Vereinsmotto: Der Umweg ist das Ziel.

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