Hilfe? Nein danke!

No thank you!

Ich gebe es zu: Es ist nicht leicht, mir zu helfen. Dabei hätte ich dringend Hilfe nötig.

Ich gebe euch ein Bespiel: Ich habe das Gefühl, dass ich vor lauter „daily business“ nicht zur Weiterentwicklung meines Unternehmens komme. Oder zumindest nicht genug. Viele wichtige Aufgaben bleiben unerledigt. Deswegen überlege ich mir schon länger, ob ich mir (zumindest stundenweise) jemanden hole, der mich bei organisatorischen und administrativen Tätigkeiten unterstützt und somit für die „wesentlichen“ Aufgaben freispielt.

Ich denke, das ist soweit auch nachvollziehbar. Wer kennt nicht das Gefühl, mehr Pläne zu haben als Zeit zur Verfügung? Gerade als Unternehmer potenziert sich die Zeitnot nochmal. „Outsourcing“ macht also total Sinn – sagt auch mein Kopf. Deshalb habe ich seit gut einem Jahr den Plan, einen „Virtual Assistant“ zu engagieren. Mehr als den Plan gibt es bis jetzt noch nicht.

Woran liegt’s? Ich glaube, ich stehe mir aus vier Gründen selbst im Weg.

1. Mein Selbstwert

Wo liegt das Problem?

Um sich helfen zu lassen, muss man eine gewisse Offenheit haben. Man muss das Gefühl haben, dass es „okay“ ist, Hilfe anzunehmen.

Was steckt dahinter?

  • Mir einzugestehen, dass ich es nicht allein schaffen werde, dass ich nicht fähig bin, alles selbst hinzubekommen – das fällt mir schwer. „Schule“ daran sind wohl ein paar meiner Glaubenssätze, die so oder so ähnlich lauten:
    • Ich muss es allein schaffen.
    • Ich kann doch nicht andere mit meinen Problemen belasten.
    • Ich bin nicht wichtig genug, mir Hilfe von echten Experten zu holen.
    • Nur Leistung, die ich selbst erbringe, ist wertvoll.
  • Im Kopf ist mir klar, dass es Unfug ist, so zu denken. Aber es besteht eben ein Unterschied zwischen Wissen und echtem Akzeptieren.
  • In manchen Situationen fällt mir es mir leichter, Hilfe anzunehmen: Ich versuche normalerweise nicht sehr lange, mich selbst zu kurieren, wenn ich krank bin (obwohl auch das vorkommt). Ich finde es relativ okay, mir Hilfe von einem Arzt (= einem Experten) zu holen, weil mir selbst das nötige medizinische Wissen fehlt. Und natürlich ist es auch deshalb leichter, weil ich den Leidensdruck des Krankseins sehr deutlich körperlich spüre und so schnell wie möglich wieder gesund werden will.
  • In anderen Situationen ist die Sache schwieriger, weil der Leidensdruck nicht so massiv auftritt wie bei einer Krankheit. Der Leidensdruck wächst so schleichend, dass ich mich irgendwie daran gewöhne und mit ihm zu leben lerne. In diesen Situationen bin ich oft sehr streng mit mir selbst und fordere mich auf, mich nicht so anzustellen. Ich werde schon alles schaffen – irgendwie.

Was kann ich dagegen tun?

  • Immer wieder vor Augen halten: Was ist das eigentliche Ziel meiner Unternehmung? Worum geht es mir? Was möchte ich alles schaffen? Um meine großen Pläne umzusetzen, brauche ich eben Hilfe.

2. Meine vielfältigen Interessen

Wo liegt das Problem?

Wenn ich Aufgaben aus meinem Unternehmen auslagere, dann gebe ich (auch) Aufgaben aus der Hand, die ich eigentlich lässig finde und die ich gut kann. An manchen Aufgaben hänge ich einfach, auch wenn sie jemand anderer zehnmal schneller und besser erledigen könnte.

Was steckt dahinter?

  • Wie jeder Mensch fühle auch ich mich sehr wohl in meiner Komfortzone. Aufgaben, die ich gut kann, geben mir ein Gefühl von Kompetenz und Selbstvertrauen.
  • Viele der Aufgaben, mit denen ich mich wohl fühle, sind aber keine „Chef-Aufgaben“. Chef-Aufgaben sind nämlich jene Aufgaben, die NUR ICH machen kann und niemand anderer. Das ist zum Beispiel, die Unternehmensstrategie weiterzuentwickeln, neue Produkte zu entwickeln oder Kontakte in der Branche zu knüpfen.
  • Die echten Chef-Aufgaben liegen zumeist außerhalb meiner Komfortzone. Kein Wunder: Ich bin noch nicht so lange Unternehmer, bin Chef-Aufgaben noch nicht so gewohnt und fühle mich ihnen deswegen oft (noch) nicht gewachsen.
  • Würde ich konsequent alle Tätigkeiten auslagern bis auf die Chef-Aufgaben, würde ich mich wohl anfangs ziemlich inkompetent bei meiner Arbeit fühlen. Derzeit schützen mich die vielen Nebentätigkeiten davor, mich konsequent mit Dingen zu beschäftigen, die derzeit für mich noch sehr herausfordernd sind.

Was kann ich dagegen tun?

  • So tun, als ob! Langsam in die Chef-Aufgaben hineinwachsen. Die Komfortzone schrittweise erweitern. Und keine Angst vor Fehlern haben!

3. Meine Angst vor schlechten Investitionen

Wo liegt das Problem?

Hilfe anzunehmen, kostet. Meistens Geld, zumindest aber Zeit. Ist es da nicht gescheiter, Zeit und Geld zu sparen und es gleich selbst zu machen?

Was steckt dahinter?

  • Als Jungunternehmer sollte man ja stets darauf achten, dass die Kosten nicht aus dem Ruder laufen. Man will ja das Geld, das man sich hart erarbeitet hat, nicht „unnötig“ wieder aus dem Fenster werfen.
  • Ich glaube auch, dass das ein sinnvoller Ansatz ist – bis zu einem gewissen Grad. Aber man kann es auch übertreiben. Nämlich dann, wenn man aus Geiz oder Angst nötige Investitionen in sich selbst oder sein Unternehmen nicht tätigt, die das Unternehmen entscheidend weiterbringen würden.
  • Die Angst vor „schlechten Investitionen“ zu überwinden, ist für mich eine der größten Herausforderungen auf dem Weg vom Angestellten zum Unternehmer. Ich lerne erst langsam zu akzeptieren, dass an vielen Stellen Geld zuerst von mir wegfließen muss, damit es später an anderer Stelle wieder zu mir zurückfließen kann.

Was kann ich dagegen tun?

  • Eine ehrliche Kosten-Nutzen-Rechnung aufstellen: Was würde mich das Auslagern von Aufgaben kosten? Was könnte ich in dieser frei gewordenen Zeit verdienen?
  • Nicht vergessen, dass auch das eigene Wohlsein etwas wert ist (zB der Wert, eine Aufgabe nicht erledigen zu müssen und statt dessen ein Buch zu lesen).
  • Immer auch in Opportunitätskosten denken: Welche Einnahmen, welche Glücksmomente entgehen mir, weil ich mich von meinen Lieblingsaufgaben nicht trenne? Welche Entwicklungsschritte kann ich deswegen nicht setzen?

4. Mein Vorschuss-Misstrauen

Wo liegt das Problem?

Selbst wenn ich mir eingestehe, dass ich Hilfe brauche: Finde ich überhaupt jemanden, der mir wirklich helfen kann? Gibt es überhaupt jemanden, der meine Aufgaben genauso gut erledigen würde wie ich selbst?

Was steckt dahinter?

  • Ich meine es nicht böse, aber ich bin von Haus aus sehr vorsichtig gegenüber Fremden. Auch im privaten Umfeld brauche ich relativ lange, bis ich jemandem wirklich vertraue.
  • Dabei ist Vertrauen genauso wie Geld eine Investition: Ohne Vorschuss-Vertrauen entsteht keine neue (Arbeits-)Beziehung. Natürlich besteht die Gefahr, dass mein Vertrauen enttäuscht wird. Aber dazu muss es nicht kommen. Der einzige Weg, das herauszufinden, ist, mich auf einzulassen.

Was kann ich dagegen tun?

  • Zeit investieren in klare Strukturen, Prozesse und Vorlagen. Dann steigt auch mein Vertrauen, dass alles in meinem Sinne erledigt wird. Dadurch wird es auch für die Helfer leichter, mir zu helfen. 
  • Vertrauen schenken – und die Ergebnisse kontrollieren. Feedback geben.

So, jetzt muss ich mir nur noch meine eigenen Ratschläge zu Herzen nehmen. 🙂

Photo Credit: Metrisquare


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
Mehr über Zen im Alltag und im Business gibt es auch im Mein-Zengarten-Newsletter oder auf unserer Facebook-Seite.

 

 

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