Ein Zengärtner in Japan – Teil 1

Shinjuku Gyoen National Garden

Viki und ich sind gerade auf Hochzeitsreise in Japan. Ein schöner Zufall, dass unser erster Tag in Tokyo mit dem „Tag des Grüns“ zusammenfällt.

Gestern sind wir in Tokyo angekommen (ja, danke, die Reise ist bestens verlaufen), und wir sind mitten in der japanischen „Goldenen Woche“ gelandet. Die „Goldene Woche“ könnte man treffend auch als die „Große Feiertagsserie“ bezeichnen, weil  in Japan zwischen 29. April und 6. Mai vier Feiertage und ein Wochenende liegen und sich jeder Japaner, der nur irgendwie kann, an den Fenstertagen dazwischen Urlaub nimmt.

Viele Japaner verreisen in der Goldenen Woche. Dementsprechend ausgestorben wirkt Tokyo gerade. Naja, so ausgestorben, wie eine Stadt mit 9 Millionen Einwohnern eben wirken kann. (Man stelle sich das mal vor: Auf einer Fläche halb so groß wie der Bezirk Mistelbach leben fünf mal mehr Menschen als in Wien.)

Jedenfalls fiel unser erster Tag in Tokyo auf den Midori no Hi, den „Tag des Grüns“, der jedes Jahr am 4. Mai gefeiert wird und der Tag der Natur und Umwelt ist. Japanische Familien unternehmen Ausflüge in die freie Natur oder in Parks, die an diesem Tag freien Eintritt haben. Am Tag des Grüns sollen sich die Japanerinnen und Japaner an der Schönheit der Natur erfreuen und dafür dankbar sein.

Nun ist es ja so, dass die Japanischen Gärten ein Must-See auf unserer Reise sind. Die „echten“ Zen-Gärten – also die traditionellen Trockenlandschaftsgärten, welche die Inspiration für unsere Miniatur-Zengärten liefern – findet man eher in Kyoto, das wir im zweiten Teil unserer Reise besuchen werden. Aber der Tag des Grüns gab uns einen willkommenen Anlass, die japanischen Gärten zu besuchen, die Tokyo zu bieten hat.

Ich hätte mir ja nicht gedacht, wie viele Parks es in Tokyos Innenstadt gibt. Wunderschöne, großzügige Grünflächen, deren Bäume, Büsche und Blumen in leuchtenden Farben blühen. Man sieht picknickende Familien und Kinder, die einander oder Bällen nachlaufen. Alles sehr idyllisch. Alles sehr schön.

Was man nicht sieht: Hunde. Die sind nämlich in japanischen Parks verboten (wie übrigens auch Katzen). Und: Ich habe in Tokyos Parks beim Picknicken niemanden mit dem Handy spielen sehen. Anscheinend nehmen die Japanerinnen und Japaner das Natur-Genießen sehr ernst. Das hat mich im Land des Gameboy doch einigermaßen überrascht (und zeigt gleichzeitig, wie hartnäckig und stupide meine Vorurteile sind).

Naja, jedenfalls war es wundervoll, die Japanischen Gärten zu sehen, wenn sie am schönsten sind. Damit meine ich nicht während der Kirschblüte, sondern wenn Menschen sich an ihnen erfreuen. Gärten sind nämlich dann am schönsten, wenn Menschen sie nutzen: zum Entspannen, zum Spielen, zum Sich-Freuen, zum Miteinander-Reden, zum Einfach-nur-in-die-Luft-Schauen, zu was auch immer. Und dann ist es auch ganz egal, ob das ein Park in Tokyo, der eigene Garten hinterm Haus oder der kleine Zengarten im Büro ist.

 


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Business Trainer. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Business Trainer und mache mir „nebenbei“ Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag annehmen kann. Mit meinen handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Zen und meinen Spaß am Basteln zu verbinden. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
Mehr über Zen im Alltag gibt es auch im Mein-Zengarten-Newsletter oder auf Facebook.

 

 

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