Mein Blick in die Kristallkugel

Die Zukunft des Arbeitens

Diesmal sage ich die Zukunft voraus. Nicht mehr und nicht weniger.

Gestern Abend war Sonntagabend. Viki und ich haben früher gerne die „Sternstunden“ auf Ö3 gehört. Wer’s nicht kennt: Darin sagt eine Astrologin (Frau Rogers) den Anrufern mit Hilfe eines Blicks in die Sterne ihre Zukunft voraus. Im Wesentlichen geht es um Fragen der Liebe und der Karriere. Erstere überwiegen um Längen. Als Faustregel lässt sich sagen, dass die Sterne von Fernbeziehungen abraten und eine neue Liebe irgendwann in den nächsten 1-10 Jahren kommen wird. Aber das nur nebenbei.

Sternstunden und Sandmann

Mittlerweile hören wir die Sendung nur noch selten (eigentlich: gar nicht mehr), was insbesondere dem Umstand geschuldet ist, dass sie erst um 22:00 beginnt. Um diese Zeit kommt bei mir meist schon der Sandmann vorbei. Man wird halt nicht jünger.

Jedenfalls habe ich mir gedacht, dass ich ja selbst einmal Frau Rogers spielen könnte und ein wenig die Zukunft voraussagen könnte. Damit, wie Sternzeichen und Aszendenten sich auf Liebesdinge auswirken, kenne ich mich leider nicht so gut aus. (Ich weiß, ich hätte etwas Gescheites lernen sollen. Wenn ich das könnte, hätte ich jetzt vielleicht auch meine eigene Radiosendung). Dafür weiß ich ein bisschen etwas zum Karriere-Thema, oder genauer gesagt über die Frage, wie wir in Zukunft arbeiten werden. Mit „Zukunft“ meine ich die nächsten zwanzig Jahre oder so.

Und das sagt meine Kristallkugel.

Die Zukunft der Arbeit

  1. Derzeit sind zwei große Trends zu beobachten. Erstens: Das Wertesystem ändert sich gerade grundlegend in Österreich und Europa. Eine Werte-Revolution steht an. Werte, die in den Vordergrund treten, sind: Sinn, Nachhaltigkeit/Nachhaltiges schaffen, Menschlichkeit, Helfen/Beitrag leisten, Verstehen, Selbst-Ausdruck/Selbstverwirklichung, Eigenverantwortung, Empathie.
  2. Zweiter Trend: Die derzeit steigende Arbeitslosigkeit wird nie mehr auf das Niveau der 1990er-Jahre zurückgehen. An hohe Arbeitslosigkeitsquoten (inkl. hoher Langzeitarbeitslosigkeit) werden wir uns – auch in Österreich – gewöhnen müssen. Die Arbeitsmarktpolitik findet darauf keine Antworten.
  3. Diese beiden Trends haben zur Folge, dass die Art und Weise, wie Angestellten-Arbeit derzeit geregelt ist (mit fixen täglichen Arbeitszeiten, weitgehend leistungsunabhängige Entlohnung, „Sinn-lose“ Arbeiten“), an ihre Grenzen stößt. Immer mehr Menschen sind unzufrieden damit oder werden davon krank (Burn Out). Sie suchen Wege aus dem „Hamsterrad“.
  4. Das hat zur Folge, dass besonders unter den Unter-Vierzig-Jährigen (Generation Y und jünger) sich die Wahrnehmung verstärkt, dass sie ihr Leben „selbst in die Hand nehmen“ und der „CEO ihres eigenen Lebens“ werden müssen. Sie vertrauen nicht mehr darauf, dass ihnen irgendjemand (die Politik, die Gesellschaft, das System) helfen wird, mit dem derzeitigen Wandel klarzukommen.
  5. Deshalb wird die Zahl der „Neuen Selbständigen“, der „Ein-Personen-Unternehmen“ (EPUs) weiter wachsen – und zwar rasant. „Sein eigener Chef“ zu sein und eigene Ideen und Projekte zu verwirklichen, wird in Zukunft die Normalform des Arbeitens sein – besonders unter jungen AkademikerInnen). Man wird immer kurzfristiger zusammenarbeiten, oft nur für einzelne Projekte, und in ständig wechselnden Teams aus lauter eigenen EPUs. Was heute schon in einzelnen Branchen gang und gäbe ist (zB in der Filmbranche), wird Standard in sehr vielen Branchen werden – vor allem rund um Dienstleistungen und Services.
  6. Sehr viele dieser EPUs werden „Wissensarbeiter“ („Knowledge Worker“) sein, z.B. Trainer, Berater, Coaches, Lebensberater, Designer, Entwickler. Sie vermarkten das, was sie können und wissen und brauchen dafür relativ wenig Kapitaleinsatz: Ein Laptop mit Strom- und Internet-Anschluss genügen.
  7. Materialismus und Konsumismus verlieren unter diesen Wissensarbeitern an Bedeutung. Sie verzichten auf Unnötiges, kaufen Gebrauchtes und teilen ihre Infrastruktur (zB Büroräume, Drucker). Statussymbole und Luxusartikel haben für diese Personen keinen Wert.
  8. Traditionelle Interessensvertretungen (Parteien, Kammern, Gewerkschaften) finden auf diese Entwicklungen keine Antworten. Sie stecken in sehr alten und starren Strukturen fest. Es werden deswegen neue Formen der Interessensvertretung für EPUs entstehen, wobei die Stärken und das Potenzial des Internets dafür voll ausgeschöpft werden werden.
  9. Die Mehrzahl dieser EPUs wird niemals vorhaben, ein „richtiges“ Unternehmen mit Mitarbeitern zu werden. Sie wollen gar nicht wachsen, weil sie ihre Unabhängigkeit und ihre Flexibilität schätzen. Das ist ihnen wichtiger als Wachstum und möglicherweise bessere Markt- und Profitchancen.
  10. Das öffentliche Bildungssystem („die Schulen“) reagieren viel zu träge auf diese aktuellen Trends. Die in der Zukunft notwendigen Kompetenzen werden derzeit viel zu wenig vermittelt. Die Unzufriedenheit der Eltern (aus der Generation Y), dass die Schule ihre Kinder nicht „auf das wirkliche Leben vorbereitet“ (d.h. nicht die Werte und Kompetenzen vermittelt, die sie für wichtig und überlebensnotwendig halten), wird dazu führen, dass mehr privat organisierter Unterricht stattfinden wird (Stichwort „homeschooling“) und/oder (Privat-)Schulen auf den Markt kommen, die auf diese Tendenz reagieren.

Was, wenn ich mich irre?

Ich behaupte nicht, dass ich mit diesen Voraussagen recht habe. Vielleicht werden eine oder zwei eintreffen, vielleicht alle irgendwie, vielleicht keine einzige. Bei manchen Menschen ist die Zukunft, die ich voraussage, längst angekommen, andere werden davon ihr Leben lang unbehelligt bleiben. Das ist auch gar nicht so wichtig. Es geht mir darum, mich ein wenig im Beobachten zu üben und bewusst hinzusehen auf die Welt und wie sie sich verändert. Ob man richtig liegt oder nicht ist nicht so entscheidend wie die Tatsache, DASS man sich Zeit genommen hat zum Innehalten und zum Nachdenken.

Wie glaubst du, dass unsere Zukunft in zehn Jahren aussehen wird?

 




Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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