Reden wir über Niki Lauda und sein Geld

Niki Lauda

Niki Lauda hat ein Buch geschrieben – seine Autobiographie – und nennt es „Reden wir über Geld“. Darüber sollten wir reden.

Gleich vorweg: Ich habe Laudas Buch noch nicht gelesen. Aber genau darum geht es in diesem Blog-Beitrag: Darüber, dass man etwas nicht gelesen hat – und trotzdem darüber spricht.

Laudas neues Buch und Facebook

Es ist Folgendes: Auf dem Blog „Fisch + Fleisch“ schreibt Winfried Brumma über Laudas Buch und nennt es „rasant, spannend, hilfreich“. Der Blogbeitrag hat zwei Kommentare, also nicht gerade das, was man als Internet-Hit bezeichnen würde.

Dieser Blog-Beitrag wurde auch auf Facebook gestellt, und da sieht die Sache gleich anders aus: Auf Facebook wurde nämlich gehörig diskutiert über das neue Buch von Herrn Lauda. Und genau das hat mich neugierig gemacht: Worüber reden die Leute denn so, wenn sie über Laudas Buch reden, wo Lauda über das Geld redet?

Wir alle haben eine Meinung

Gleich vorweg: Praktisch niemand, der einen Facebook-Kommentar hinterlassen hat, hat das Buch auch gelesen. Von den 62 Beiträgen, die ich mir genauer angesehen habe, war nur einer dabei, der meinte, er habe das Buch gelesen und es habe ihm gefallen.

Ich finde aber eh viel spannender, was die 61 anderen sagen, die das Buch nicht gelesen haben. Als angehender Sprachwissenschafts-Bachelor habe ich mein linguistisches Handwerkszeug hergenommen und eine kleine „qualitative Inhaltsanalyse“ gemacht. Ich will nicht behaupten, dass ich streng wissenschaftlich vorgegangen bin, aber von der Tendenz her sollten meine Ergebnisse stimmen. Und interessant sind sie allemal.

Was die Leute so sagen

Also, was ist rausgekommen? Was sagen die Leute auf Facebook über Niki Laudas neues Buch?

  1. „Lauda ist in erster Linie ein Ungustl und Schnorrer.“ (17,8% der Beiträge)
  2. „Lauda hat das Buch nur geschrieben, weil er nie genug kriegen kann.“ (16,2%)
  3. „Lauda hat sein Geld vor allem auf Kosten anderer verdient.“ (14,5%)
  4. „Lauda kann sich sein Buch in den A… schieben.“ (14,5%)
  5. „Lauda ist nur so erfolgreich, weil er aus einem reichen Elternhaus kam.“ (11,3%)
  6. „Lauda ist immerhin ein erfolgreicher Rennfahrer und Unternehmer – das muss man ihm lassen.“ (9,7%)
  7. „Wahren Reichtum kann man nicht mit Geld messen.“ (8,0%)
  8. „Lauda ist einer von den Guten. Ihr seid lauter Neider!“ (6,4%)

Was ich mir so denke

Ich kann und will nicht beurteilen, ob irgend eine dieser Aussage an die Wahrheit heran kommt. Ich kenne weder das Buch, noch kenne ich Herrn Laudas Lebens- und Unternehmergeschichte. Aber ich beobachte und denke mir Folgendes:

  • Ganz egal, wie wenig die Leute zu einem Thema oder von einer Person wissen, eine Meinung scheinen sie immer zu haben.
  • Diese Meinung scheint großteils negativ zu sein.
  • Diese Meinung scheint völlig unabhängig davon zu existieren, was du tatsächlich tust, sagst oder schreibst. Die wenigsten Leute scheinen  sich die Mühe zu machen, dir zuerst tatsächlich zuzuhören (oder dein Buch zu lesen).
  • Je erfolgreicher oder bekannter eine Person ist, desto mehr scheint das Bedürfnis zu bestehen, sie „runterzumachen“. Nach dem Motto: „Der ist na nur deswegen so erfolgreich, weil… (negative Eigenschaft einfügen).“
  • Wenig (oder nichts) wirklich zu wissen, scheint zu keinerlei Hemmung zu führen, seine Meinung nicht trotzdem kundzutun. Mehr noch: Seine Meinung nicht als Meinung, sondern als Tatsache zu sehen und Menschen mit anderer Meinung als „ahnungslos“ abzukanzeln.

Und du?

Nun weiß ich natürlich, dass dieses Beispiel von Laudas neuem Buch und den 62 Kommentaren auf Facebook nicht repräsentativ ist. Aber ich habe schon das Gefühl, dass da ein Muster dahinter steckt, wie wir in Österreich (aber wahrscheinlich nicht nur hier) über Menschen und Themen diskutieren.

Auch hier möchte ich nicht werten. Ich möchte mich und dich nur dazu anregen, uns selbst bewusst zu machen,

  1. wie oft wir trotz wenig Wissen eine feste Meinung haben und vertreten und
  2. dass man es scheinbar gar nicht verhindern kann, dass man angefeindet wird, sobald man etwas tut, womit man über die Wahrnehmungsschwelle tritt.

 



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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