Die Entdeckung des Offensichtlichen

offensichtlich

Das Offensichtliche ist oft am schwersten zu sehen. Ze(h)n Gedanken, warum dem so sein könnte.

  1. Das Offensichtliche ist jene Lösung oder jene Idee, die am besten für ein Problem passt, weil sie in dem Moment, wo das Problem entsteht, quasi schon mit-entsteht. Sie ist daher im Grunde schon längst vorhanden, wenn du glaubst, kreativ werden zu müssen. Du siehst das Offensichtliche halt nur nicht immer gleich.
  2. Die offensichtliche Lösung ist nicht zu verwechseln mit dem geringsten Übel. Das Offensichtliche kann sehr ungemütlich sein und ist es meistens auch.
  3. Um zum Offensichtlichen zu gelangen, musst du viele Umwege gehen. Du findest alle möglichen, komplizierten Lösungen und entwickelst abstruse Ideen. Der Weg zum Offensichtlichen ist meist lang und steinig.
  4. Manchmal schreit dich das Offensichtliche förmlich an, und du hörst es trotzdem nicht. Nimm das nicht persönlich, denn das ist das Wesen des Offensichtlichen. Eh schon wissen: Der Wald vor lauter Bäumen…
  5. Hast du das Offensichtliche einmal entdeckt, erscheint es dir so, äh… offensichtlich und logisch, dass du dich nur wundern kannst, warum du nicht früher drauf gekommen bist. Zweifle aber nicht an dir, sondern freu dich einfach, dass du das Offensichtliche am Ende erkannt hast. Das kann beileibe nicht jede/r von sich behaupten.
  6. Das Offensichtliche wirkt, einmal entdeckt, sehr einfach, ja fast banal. Lass dich dadurch nicht verunsichern: Es ist (trotzdem oder gerade deswegen) die richtige Lösung.
  7. Das Offensichtliche erkennst du auch daran, dass es dir im ersten Moment unmöglich/unrealistisch/verrückt erscheint. Du wirst dich gegen das Offensichtliche wehren, weil du dich weigerst zu akzeptieren, dass eine Lösung so einfach sein kann.
  8. Gut möglich, dass dir Freudentränen kommen, wenn du das Offensichtliche erkennst. Du wirst dich sehr erleichtert fühlen.
  9. Das Offensichtliche ist häufig für Außenstehende leichter zu sehen als für dich selbst. Das macht den Wert von externen Beratern und ehrlichen Freunden aus. Erkläre ihre Ideen nicht deshalb für wertlos, weil sie sich „gar nicht wirklich mit der Sache auskennen“. Genau darin liegt ihre Stärke. Hör gut zu, wenn sie dir etwas sagen.
  10. Umgekehrt gilt: Was für dich offensichtlich ist, muss es noch lange nicht für jemand anderen sein. Du kannst niemanden zum Ofensichtlichen „überreden“ oder es ihm/ihr „einreden“. Das Offensichtliche wird nämlich erst dann zum Offensichtlichen, wenn man es selbst für sich entdeckt hat. Du kannst – im besten Fall – jemandem dabei helfen, den steinigen Weg zum Offensichtlichen zu verkürzen. Ersparen kannst du ihn niemandem.
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