Was ich in meinem „Papa-Monat“ gelernt habe

Schlafender Papa mit Baby

Im Mai 2016 bin ich zum ersten Mal Papa geworden. Deshalb habe ich mir das ganze Monat Mai frei genommen –  als „Papa-Monat“. Das war eine spannende und lehrreiche Erfahrung.

Für all jene, die interessiert, wie es mir dabei ergangen ist bzw. für alle Nachahmer habe ich in diesem Blog-Artikel meine fünf wichtigsten Erkenntnisse zusammengefasst.

1. Du musst es wirklich wollen – und deinen Plan mit Zähnen und Klauen verteidigen. 
  • Wenn du ein Papa-Monat nehmen willst, musst du es langfristig planen, damit du dir die Zeit wirklich freihalten kannst: Keine Termine, keine Reisen, keine Projekte – kein gar nichts.
  • Je freier du während des Papa-Monats im Kopf bist, desto besser für alle Beteiligten.
  • Es wird immer wieder Dinge und Menschen geben, die versuchen, dein Papa-Monat zu verhindern – egal, ob du Selbständiger oder Angestellter bist. Bleib konsequent bei deinem Plan. Mir hat es geholfen, schriftlich festzuhalten, warum mir das Papa-Monat wichtig ist und mir diese Gründe immer wieder vor Augen zu führen.
  • Aus meiner Erfahrung reagieren Kollegen und Kunden durchwegs mit viel Verständnis für den Wunsch, ein Papa-Monat zu nehmen – mit viel mehr, als man zuerst selbst glaubt. Oft bist du selbst der größte Feind deines Papa-Monats, weil du dir einredest, dass „es nicht geht, weil…“ . Könnte gut sein, dass das Problem in Wirklichkeit nur in deinem Kopf ist.
  • Ein Monat ist schneller um, als man glaubt. Und: Man fehlt viel weniger, als man vielleicht denken mag.
2. Im Papa-Monat geht es nicht um den Papa.
  • Das Papa-Monat ist toll, aber kein Papa-Urlaub.
  • Du wirst im Papa-Monat zwar nicht mit deinem Brotberuf beschäftigt sein, und das mag eine verlockende Sache sein – aber dennoch wirst du sehr viel zu tun haben. Glaub also nicht , das Papa-Monat ist eine Wellness-Auszeit zum Erholen mit ein bisschen Baby-Kuscheln nebenbei.
  • Aus meiner Erfahrung geht es im Papa-Monat darum, für das Baby da zu sein (nota bene: das Baby hat keine fixen Bürozeiten!) sowie deine Partnerin (aka „Mama“) zu unterstützen. Beide haben viel hinter sich und brauchen deine Unterstützung, wo es nur geht.
  • Es kommt also ganz schön viel Arbeit zusammen: Haushalt, einkaufen, kochen, Windel wechseln, Fläschchen, spazieren fahren etc etc. Deine Tage werden ausgefüllt sein, und du wirst tief und fest schlafen (wenn du dazu kommst).
  • Eines noch: Sei für Mutter und Kind da, weil du es willst und weil du es gern machst – nicht, weil du dafür gelobt werden willst und dir ewige Dankbarkeit erwartest. Es geht, wie gesagt, NICHT um dich!
3. Vergiss Multitasking.
  • Einer der größten Irrtümer, dem ein junger Papa im Papa-Monat auf dem Leim gehen kann, ist folgender: Dass du in den Zeiten, wo das Baby schläft oder bei seiner Mama ist, ein bisschen nebenbei an deinen beruflichen Projekten weiter arbeiten kannst. Für mich hat das überhaupt nicht funktioniert – aber so was von überhaupt nicht.
  • Zum einen deswegen, weil ich die Pausen für meine eigene Regeneration gebraucht (schlafen, essen, einfach nur in die Luft schauen) und an unternehmerische Arbeit, die ja oft geistig fordernd ist, gar nicht zu denken war.
  • Zum anderen deswegen, weil (m)ein Baby einen sechsten Sinn dafür zu haben scheint, wenn ich ihm nicht meine volle Aufmerksamkeit schenke. Muss es meine Aufmerksamkeit mit Facebook teilen, bringt es seine Unzufriedenheit lautstark zum Ausdruck. Auch das Baby in den Schlaf zu wiegen und gleichzeitig ein Buch lesen, war einfach nicht drinnen.
  • Versuche, die Versuchung zu arbeiten so weit wie möglich von Vornherein zu vermeiden. Mir hat dabei ein e-Mail-Autoreply geholfen, in dem ich unmissverständlich ausgedrückt habe, dass ich während meines Papa-Monats keine e-Mails lesen und bearbeiten werde.
4. Lass dich auf den Frust ein.
  • Am Anfang deines Papa-Monats wird Folgendes passieren: Du denkst, du kannst im Papa-Monat deine lieb gewordenen Routinen und Tagesabläufe weiterführen wie bisher – und wirst damit geradewegs in eine Mini-Krise kommen. Diesen Fehler macht jeder Papa, und da muss wohl jeder Papa durch.
  • Jeder frisch gebackene Papa wird spätestens Ende der ersten Woche erkennen, dass sich sein gewohntes und geliebtes Leben doch gerade sehr viel radikaler ändert, als er sich das vorgestellt hatte. Da hilft es auch nichts, wenn man vor der Geburt von allen Seiten zu hören bekommt: „Mit einem Kind ist dann alles anders, wirst sehen.“ Man macht sich einfach keine Vorstellung, bis man es selbst erlebt.
  • Wenn sich dieses Gefühl des Kontrollverlusts dann auch noch mit einem chronischen Mangel an Schlaf mischt, ist die toxische Mischung perfekt. Du fragst dich: „Worauf habe ich mich da eingelassen? So haben wir aber nicht gewettet!“
  • Wenn du am tiefsten Frustpunkt angelangt bist, ist das im Grunde ein gutes Zeichen. Dann erkennst du von selbst, welche Dinge nicht mehr funktionieren und dass es das Beste ist, nicht gegen die Veränderungen anzukämpfen. Verabschiede dich von deinen bisherigen Regeln, lass dich auf das Neue ein und versuch nicht, die Situation kontrollieren zu wollen. Das kostet nur unnötig Kraft.
5. Entspann dich und genieße es!
  • Wenn du durch das „Tal der Tränen“ durch bist, dann beginnt das Papa-Monat, wirklich Spaß zu machen.
  • Du kommst mit jedem Tag besser mit deiner Rolle als Papa zurecht, und du merkst, wie dein Baby beginnt, Vertrauen zu dir aufzubauen.
  • Du findest Gefallen an einfachen Dingen wie spazieren gehen und kannst damit leben, nicht mehr überall dabei sein zu müssen.
  • Und eine gute Nachricht zum Schluss: Dein Papa-Monat wird so auch sehr positive Auswirkungen auf deinen Brotberuf haben – allein schon deshalb, weil du lernst, effektiver zu arbeiten. Aber dazu vielleicht ein andermal mehr.

Hat sich das Papa-Monat für mich ausgezahlt? Ja, auf jeden Fall. Uneingeschränkt. War’s immer einfach? Nein, sicher nicht.

Denkst du dir, in deiner Situation wäre es unmöglich, ein Papa-Monat zu nehmen?

Gerade für Selbständige und Unternehmer fällt es oft nicht leicht, sich ein Papa-Monat zu gönnen, weil damit auch ein ganzes Monat an Umsatz ausfällt. Aber gerade jedem Selbständigen und Unternehmer lege ich ans Herz, sich diese Zeit zu nehmen, wenn es nur irgendwie geht. Denn: Zum Geld verdienen hast du auch später noch sehr viel Zeit. Die ersten Wochen gemeinsam mit dem Baby zu verbringen, kannst du dir jedoch in der Zukunft um kein Geld der Welt mehr kaufen. Geld ist viel leichter zu ersetzen als Zeit. Also: nur Mut! 🙂

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