Das Zen des Planens

Fallen beim Planen

Ich gebe es zu: Ich plane viel und gerne – und tappe dabei regelmäßig in die Falle.

Ich glaube, es gibt zwei Typen von Menschen: Die einen, die gerne planen und denen Pläne das Gefühl von Kontrolle, Ruhe und Sicherheit geben. Und dann gibt es diejenigen, denen beim Gedanken, einen Plan erstellen zu müssen, die sprichwörtliche Grausbirn aufsteigt.

Ich gehöre definitiv zur ersten Gruppe. Ich bin ein Planer, durch und durch. Unlängst hatte ich Gelegenheit, mir ausführlich Gedanken zu machen über das Planen. Dabei sind mir sieben Gründe eingefallen, warum wir Planer trotz (oder gerade wegen) unserer Pläne immer wieder in die Falle tappen.

Sieben Fallen für Planer

  1. Wir bringen unsere Pläne nicht zu Papier. Wir glauben, dass es nicht nötig ist, unsere Gedanken schriftlich festzuhalten. Wir haben sie ja schließlich eh im Kopf – und das reicht doch, oder? Dadurch, dass wir unsere Pläne aber nicht aufschreiben, nehmen wir unserem Gehirn die Chance, unsere Pläne optimal zu verarbeiten.
  2. Wir nehmen uns nicht die Zeit zum echten Nachdenken. Obwohl das gründliche Nachdenken die wichtigste Aufgabe beim Planen ist, nehmen wir uns meistens zu wenig Zeit dazu. Wann hast du dich das letzte Mal hingesetzt und eine halbe Stunde wirklich nur nachgedacht? Eben. Deshalb wirken viele Pläne unausgegoren und „nicht zu Ende gedacht“.
  3. Wir glauben statt zu wissen. Wir gehen davon aus, dass so, wie wir die Welt sehen, auch alle anderen Menschen die Welt sehen. Das, was wir für gut halten, müssen auch alle anderen für gut befinden. Wir hinterfragen viele unserer Annahmen nicht. Dabei wäre es wichtig, beim Planen auch mit den Menschen zu sprechen, die unsere Pläne unmittelbar betreffen wird. Weißt du wirklich so genau, was die Menschen in deinem Umfeld denken, auch wenn du sie schon jahre- oder gar jahrzehntelang kennst?
  4. Wir entscheiden nicht – oder nur sehr zögerlich. Wir Planer lieben das Planen, aber tun uns oft mit dem Entscheiden schwer. Wir sind dann gefangen in einem Loop des Immer-wieder-Durchdenkens und schieben die notwendige Entscheidung vor uns her.
  5. Wir definieren die nächsten Schritte nicht. Selbst, wenn wir uns entschieden haben, können wir noch in die Falle tappen: Wir haben uns zwar entschieden, aber was konkret als nächstes zu tun ist, ist nicht klar. Deshalb geht auch nichts weiter, weil wir gar nicht wissen, wo wir anfangen sollen.
  6. Wir setzen den nächsten Schritt einfach nicht. Wir haben zwar definiert, was als nächstes zu tun wäre, aber wir tun es einfach nicht – weil „der Alltag“ dazwischen kommt oder uns die Courage verlässt.
  7. Wir gehen dem Sunk-Cost-Effekt auf den Leim. Der Sunk-Cost-Effekt beschreibt das Phänomen, dass Menschen irrational lange an Plänen festhalten, für die sie schon viel Zeit verwendet haben, aber eigentlich keinen Sinn mehr machen. Es tut uns Planern oft leid um die Zeit, die wir schon investiert haben, und tun uns daher schwer beim Loslassen von Plänen, die nichts mehr bringen.

Wahrscheinlich habe ich noch auf die eine oder andere Falle vergessen, aber das ist nicht so schlimm. Ich denke, dass es für uns Planer ganz wichtig ist, dass wir nicht vergessen, dass wir nicht alles planen können. Im Zen geht man ja überhaupt davon aus, dass die Pläne, die wir Menschen machen, Illusionen sind. Oder, wie Laotse sagt: „Ein guter Reisender hat keinen fixen Plan, und will auch nirgends ankommen.“ Aber da habe ich wohl noch einen langen Weg vor mir…

Bildquelle: Bplans.com

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