Zehn Dinge, die jeder Unternehmer von Peter Paul Rubens lernen kann

Rubens

Peter Paul Rubens ist einer der berühmtesten Maler aller Zeiten. Darüber hinaus war er ein gewiefter Geschäftsmann.

Als Student habe ich einige Jahre im Kunsthistorischen Museum in Wien gearbeitet, und zwar als Aufsichtsperson. Ich bin dann den ganzen Tag durch die Gemäldegalerie gegangen und habe aufgepasst, dass niemand sein Mineralwasser auf einen Tizian verschüttet oder dem Vermeer ein Loch mit seinem Regenschirm sticht. Solche Sachen halt.

Bei meinen Rundgängen durch die Gemäldegalerie haben mich die riesigen Gemälde von Peter Paul Rubens von Anfang an beeindruckt. Auch als gänzlicher Kunst-Laie, der ich damals war (und zum Großteil noch bin), konnte ich mich der Wirkung dieser Bilder nicht entziehen. Sie waren vielleicht nicht meine Lieblingsbilder, aber diese riesigen ausdrucksstarken Figuren, voller Emotionen, haben stets Eindruck auf mich gemacht.

Als ich dieser Tage wieder einmal als Besucher im KHM war, habe ich versucht, Rubens‘ Bilder mit anderen Augen zu sehen – nämlich mit den Augen eines Unternehmers. Denn Peter Paul Rubens war nicht nur ein höchst talentierter Maler, sondern auch ein geschickter Kaufmann und gewiefter Unternehmer. Deshalb heute im Blog: Zehn Dinge, die jeder Unternehmer von Peter Paul Rubens lernen kann.

  1. Rubens war ein genialer Networker. Rubens kam aus gutem Haus und unterhielt zeitlebens gute Kontakte zu Adeligen, Politikern, Geistlichen und Gelehrten in ganz Europa. Dabei ging er strategisch vor und suchte gezielt den Kontakt zu jenen Personen, die ihm prestigeträchtige Aufträge vermitteln konnten. Die Networking-Events der damaligen Zeit waren Gottesdienste und religiöse Feste, die er gemeinsam mit den Eliten Antwerpens besuchte. Im Knüpfen von lukrativen Kontakten war Rubens ebenso Meister wie in der Malerei.
  2. Rubens scheute den Wettbewerb nicht. Als Rubens zu malen begann, herrschte große Konkurrenz in Antwerpen. Später, als er in Italien tätig war, war der Wettbewerb sogar noch stärker. Davon ließ sich sich Rubens aber nicht entmutigen, sondern er wurde davon motiviert. Er wollte von den Besten lernen, um schließlich selbst zu den Besten zählen.
  3. Rubens wollte „etwas Großes“ schaffen. Er hatte von Anfang an die Vision, ein großer Maler zu werden. Er wollte mit keinem noch so tüchtigen Maler seiner Zeit verwechselt werden – und so schuf er Gemälde in einer Art, die es in Antwerpen zuvor einfach nicht gegeben hat.
  4. Rubens konnte delegieren. Die wenigsten Gemälde, die den Namen von Rubens tragen, waren gänzlich vom Meister selbst angefertigt. Rubens hatte eine große Malerwerkstatt und beschäftigte darin Lehrlinge, Gesellen und hochqualifizierte Fachkräfte. Seine Gehilfen waren es zumeist, welche die Bilder malten, die wir heute in den großen Galerien der Welt sehen.
  5. Rubens konzentrierte sich auf die „Chef-Aufgaben“. Die Entwürfe der Bilder waren vom Meister selbst, und auch die finale Qualitätskontrolle nahm Rubens eigenhändig vor. Ansonsten überließ er weitgehend seiner Werkstatt das Feld und konzentrierte sich stattdessen auf die Kunden-Akquise.
  6. Rubens war vielseitig und wissbegierig. Er hatte breite intellektuelle Interessen wie Archäologie und Politik, kommunizierte in vier verschiedenen Sprachen und besaß mit über 500 Büchern eine der größten Büchersammlungen Antwerpens. Er bildete sich laufend fort und beschaffte sich in Hinblick auf bestimmte Projekte gezielt Literatur. Während seines Lebens war er nicht nur als Maler, sondern auch als Kunstagent, Diplomat und Investor tätig.
  7. Rubens stellte sein Licht nicht unter den Scheffel. Im Gegenteil: Er legte großen Wert auf Selbstinszenierung seiner Person und seiner Arbeiten. In seinen Selbstportraits ist stets ein wohlhabender und stolzer Mann zu sehen. Die Architektur seines Wohnhauses und seine Werkstätte waren auf Repräsentation ausgelegt.
  8. Rubens hatte eine moderne Preisdifferenzierungs-Strategie. Es ist interessant, dass Rubens‘ Werke für die damalige Zeit nicht exorbitant teuer waren. Aber die große Menge an Bildern, die er mithilfe seiner Werkstatt fertigen konnte, brachten ihm großen Reichtum. Wollte ein Auftraggeber jedoch ein Bild, dass gänzlich eigenhändig von Rubens war, musste er den doppelten Preis eines Werkstätten-Bildes berappen.
  9. Rubens hatte die Steuertricks drauf. Als Rubens seine Position als Hofmaler bei Erzherzog Albrecht, dem Statthalter der Niederlande, annahm, war in seinem Vertrag festgehalten, dass er von allen Steuern und Lasten befreit war. Rubens musste also keine Steuern für sein Einkommen zahlen – ein Privileg, das sonst nur Adeligen vorbehalten war.
  10. Rubens dachte global. Obwohl er die meiste Zeit seines Lebens in Antwerpen verbrachte, war Rubens ein internationaler Star. Rund zwei Drittel seiner Auftraggeber kamen von außerhalb Antwerpens. Das sorgte dafür, das Rubens‘ Auftragsbücher über Jahre hin voll waren.

Als Rubens im Jahr 1640 starb, hinterließ er der Nachwelt nicht nur fast anderthalbtausend Werke, sondern seinen Kindern auch ein gewaltiges Vermögen. Aber am beeindruckendsten finde ich, dass er geschafft hat, wovon viele Unternehmer insgeheim träumen: Dass das, was sie schaffen, auch noch Jahrhunderte später Beachtung findet.

 

Lesetipp: Nils Büttner – Rubens

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