Schwarz-Weiß-Handy-Fasten

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Die Adventzeit war von Alters her eine Fastenzeit. Ich habe den Brauch ins 21. Jahrhundert gebracht, indem ich mein iPhone in den Schwarz-Weiß-Modus gestellt habe.

Mir geht es wie vielen meiner Zeitgenossen: Mein Handy ist mein ständiger Begleiter. Es ist Uhr, Fotoapparat, mp3-Player, Notizbuch, To-Do-Liste, e-Mail-Empfänger, Schrittzähler und, ach ja, Telefon gleichzeitig. Es füllt meine Pausen und Straßenbahnfahrten. Und es lenkt mich ziemlich ab.

Das stört mich. Mich stört besonders, dass ich praktisch automatisch zum Handy greife, wenn ich einen kleinen Energieschub brauche. Dann klicke ich eine der bunten Apps an, und für ein paar Momente ist es so, als würde ich mich aus der Welt um mich herum ausklinken. Was in einer überfüllten Straßenbahn vielleicht wohltuend sein kann, ist im Kreis meiner jungen Familie ein ständiges Ärgernis. Sagt zumindest Viki – und ich sehe das ein.

Es gibt Menschen, die behaupten, dass unsere modernen Handys und deren Apps absichtlich so konstruiert sind, dass wir danach süchtig werden – genauso, wie wir nach Koffein, Nikotin oder andere Drogen süchtig werden. Es sind die gleichen Prozesse, die da im Hirn ablaufen. (Wen das genauer interessiert, dem sei das Buch „Hooked – Wie Sie Produkte erschaffen, die süchtig machen“ empfohlen.)

Jedenfalls sträube ich mich dagegen, Handy-süchtig zu werden oder zu sein. Deshalb versuche ich bis Weihnachten etwas ganz Neues, um mein Handy für mein Gehirn weniger interessant zu machen:

Ich habe mein iPhone in den Schwarz-Weiß-Modus gestellt. Was also ehemals leuchtend bunt war, sieht jetzt aus wie ein grauer Novembertag.

Dieser Versuch läuft jetzt eine gute Woche, und ich habe jetzt schon Folgendes festgestellt:

  • Ich bilde mir ein, dass ich weniger auf das Handy schaue, weil es so wenig bunt ist. Da leuchtet nichts, da blinkt nichts, alles schaut ziemlich eintönig aus.
  • Facebook wird wesentlich weniger attraktiv, wenn alle Bilder nur schwarz-weiß sind. Dafür: Die meisten Menschen sind auf schwarz-weiß-Fotos (noch) hübscher.
  • Da sich die ganzen App-Icons nicht mehr auf den ersten Blick unterscheiden lassen, sinkt auch der Anreiz, auf eines der bunten Bilder draufzudrücken.
  • Als besonders entspannend empfinde ich, dass alle roten Farbtöne weg sind. Auch Update-Benachrichtigungen, neue Whatsapp-Nachrichten oder verpasste Anrufe sind jetzt grau und damit optisch gleich wichtig (oder unwichtig) wie alles andere.

Insgesamt also eine klare Empfehlung. Bin gespannt, ob ich am Ende der Adventszeit den Schwarz-Weiß-Modus wieder deaktivieren werde.

PS: Wer das auch mal versuchen will, findet hier eine Anleitung, wie man den Schwarz-Weiß-Modus am iPhone aktiviert. Auf Android-Handys dürfte es so einen Modus auch geben, aber da kenne ich mich nicht so gut aus.

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