Das Zen der Spanier

Spanisches Origami

Barcelona ist von den Zengärten Kyotos etwa zwölf Flugstunden entfernt. Trotzdem habe ich in Spanien Zen gefunden.

Ich bin gern in Spanien, sehr gern sogar. Mir taugt es dort irgendwie, ich fühle mich dort wohl. Heuer habe ich das Glück, gleich zwei Mal nach Spanien reisen zu dürfen. Gerade bin ich aus Barcelona zurückgekommen. Auf dem Rückflug habe ich mich gefragt, was es denn ist, das mir an Spanien und den Spaniern so gefällt. Ich bin drauf gekommen, dass die Spanier eine ganz eigene Interpretation des Zen zu haben scheinen. Ich will anhand von zehn Punkten versuchen zu erklären, was ich meine.

Spanisches Zen

  1. Die Spanier sind einfach gut angezogen – auch die Männer. Sie schätzen Eleganz und Stil, ohne aufgetakelt zu wirken.
  2. Die Spanier sind sehr kreativ und zeigen viel Liebe zum Detail – besonders in den alltäglichen Dingen. Sie scheinen intuitiv zu wissen, dass das Leben (auch) aus den Dingen besteht, mit denen man sich täglich umgibt.
  3. Die Spanier sind ausgesprochen gastfreundlich und herzlich zu ihren Gästen. Sie schenken ihnen viel Aufmerksamkeit und investieren viel Zeit in die Beziehung zu ihren Gästen, Partnern oder Kunden. Deswegen fühlt man sich als Besucher auch gut bei ihnen aufgehoben.
  4. Die Spanier reden viel und gerne mit ihren Gästen, auch wenn sie schlecht Englisch sprechen und du schlecht Spanisch. Die Kommunikation findet scheinbar auf einer anderen Ebene statt.
  5. Was sich in der Kleidung der Spanier zeigt, kann man auch in der Architektur sehen. In der Gotik der spanischen Kathedralen, zum Beispiel, drückt sich Großartigkeit durch Schlichtheit wunderbar aus.
  6. Spanien ist so abwechslungsreich wie das Leben. Selbst innerhalb einer Stadt wie Barcelona gibt es große Vielfalt. Spanien insgesamt ist fast überwältigend in seiner Unterschiedlichkeit.
  7. Die Spanier lassen sich nicht gern hetzen und finden immer wieder kreative, ja fast subversive Strategien zur Entschleunigung.
  8. Es gibt so viele nette, gemütliche Lokale zum Sitzen, Schauen, Sinnieren. Und: Ich habe in Spanien noch nie schlecht gegessen.
  9. Die Spanier wissen über die Probleme in ihrem Land, aber sie lassen sich nicht unterkriegen. „Es wird schon alles irgendwie gehen“, scheint das Motto zu sein. Für einen gelernten Österreicher ist das erfrischend anders.
  10. Es gibt sie noch, die Siesta, das gemeinsame Mittagessen mit der Familie und das anschließende Mittagsschlaferl – auch wenn sie auch in Spanien leider im Rückzug begriffen ist. Die Siesta ist jenes Stück Spanien, das ich besonders gerne versuche, in meinen eigenen österreichischen Alltag zu integrieren.

Im Juni darf ich dann für ein paar Tage nach Extremadura. Freu mich schon! 🙂

Foto: Origami als Fenster-Dekoration einer Bar in Barcelona.

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