Acht Dinge, die ich von meinem Sprachwissenschaft-Studium für’s Leben gelernt habe

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Dieser Tage habe ich ein Projekt abgeschlossen, für das ich seit vier Jahren viel (Frei-)Zeit investiert habe: Mein Bachelor-Studium „Sprachwissenschaft” an der Uni Wien.

Zur Feier dieses Anlasses möchte ich euch acht Dinge mit auf den Weg geben, die ich mir aus meinem Studium vermutlich für mein Leben merken werde.

  1. Sprache ist das mächtigste Werkzeug der Welt. Mit Sprache werden Ideen, Konzepte, ja ganze Realitäten erschaffen. Worte können Dinge entstehen lassen, die vorher gar nicht da waren. Worte können erschaffen und zerstören. Unsere Sprache sind magisch und mächtig zugleich.
  2. Sprache ist sehr kompliziert. Je mehr man sich damit beschäftigt, desto klarer wird: Unsere Sprache, die wir so intuitiv und locker jeden Tag verwenden, folgt einem sehr komplexen Regelwerk, dem wir uns in der Regel nicht bewusst sind.
  3. Es ist ein wahres Wunder, wie schnell und präzise Kinder Sprachen erlernen können, ohne dass man ihnen grammatische Regeln erklären müsste. Es ist auch interessant, dass der Input, den die Kinder von uns Erwachsenen bekommen, unvollständig und oft auch fehlerhaft ist. Kinder lernen trotzdem das Richtige.
  4. Sprechen ist Handeln. Wir tun mit Sprache viel mehr, als uns im Alltag bewusst ist. Allein dadurch, dass wir etwas sagen (oder nicht sagen), setzen wir eine Handlung.
  5. Die meisten von uns sind (mindestens) zweisprachig. Dass der österreichische Dialekt nicht als eigene Sprache bezeichnet wird, ist reine Konvention.
  6. Alles, was wir sagen, entsteht immer im Zusammenwirken von mehreren Personen. Niemand kann alleine kommunizieren. Wir sind bei allem, was wir durch unser Sprechen bewirken wollen, immer angewiesen auf die Kooperation von anderen. Das im Bewusstsein zu haben, ist besonders heilsam für z.B. Ärzte, Politiker, Blogger und Trainer.
  7. In Europa wird nur ein winziger Bruchteil der weltweiten Sprachen gesprochen (ca. 150 verschiedene Sprachen). Es gibt (je nach Schätzung) 6.000 bis 7.000 Sprachen auf der Welt. Aber es werden immer weniger. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung spricht eine der zehn meistgesprochenen Sprachen. Man schätzt, dass bis 2200 nur mehr 100 Sprachen übrig bleiben werden.
  8. Ich habe gelernt, auf meinen Weinviertler Dialekt stolz zu sein. Er ist mindestens genauso gut und „schön” wie Hochdeutsch.
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