Allein mit mir selbst – Mein Start ins Neue Jahr

Strategieklausur15

Es ist mir inzwischen zu einer lieben Tradition geworden: Zwischen Weihnachten und Neujahr begebe ich mich in Klausur. Nur ich, ganz allein mit mir selbst und meinen Plänen, Wünschen und Zielen für das kommende Jahr. Diese drei Tage Auszeit sind für mich so wertvoll, dass ich sie etwas großspurig „Strategie-Klausur“ nenne.

Von 29. – 31. Dezember hielt ich in Marbach an der Donau meine inzwischen fünfte Strategie-Klausur ab. Wo im Sommer Radfahrer die Donau entlang radeln, ist jetzt, im Winter, nix los. Genau die richtigen Voraussetzungen also für eine Strategie-Klausur.

Der Gedanke so einer Strategie-Klausur (drei Tage lang allein an einem abgeschiedenen Ort) mag für den einen oder anderen von euch etwas eremitische Züge haben. Wahrscheinlich ist es das auch. Dennoch glaube ich, dass eine Strategie-Klausur zum Jahresanfang für jeden wertvoll sein kann, nicht nur für introvertierte Menschen wie mich.  

Warum ich das glaube? Lasst mich beschreiben, warum mir meine Strategie-Klausuren so wichtig geworden sind.

1. Ich nehme mir Zeit, raus zu gehen.

Eine neue Sicht auf die Dinge in gewohnter Umgebung zu gewinnen, fällt mir schwer. Das gelingt mir viel besser an einem fremden Ort. Ein Ortswechsel bringt fast automatisch auch einen Perspektivenwechsel: Mit der räumlichen Distanz wächst auch die Chance, das bisher Erreichte und die Pläne für das nächste Jahr mit etwas mehr emotionaler Distanz zu betrachten. 

2. Ich nehme mir Zeit, das vergangene Jahr zu reflektieren.

Oft ist man ja froh, wenn man das alte Jahr möglichst schnell hinter sich lassen kann. Auch ich finde den Blick auf das Neue wesentlich spannender als das Nachgrübeln über Vergangenes. Dennoch nehme ich mir bei meiner Strategie-Klausur Zeit zur Selbst-Reflektion. Dabei helfen mir folgende Fragen:

  • Was ist gut gelaufen, wovon möchte ich im nächsten Jahr mehr haben?
  • Was ist nicht so gut gelaufen, wovon möchte ich im nächsten Jahr weniger haben?
  • Welche meiner Ziele habe ich erreicht? Was ist dadurch möglich geworden? 
  • Welche Ziele habe ich nicht erreicht? Woran ist das gelegen? Sind mir diese Ziele heute überhaupt noch wichtig?

3. Ich nehme mir Zeit zu entrümpeln

Es ist unglaublich, wie viel gedanklicher und emotionaler Ballast sich im Laufe eines Jahres ansammelt. Zu jeder Strategie-Klausur nehme ich eine schier unendliche Liste an neuen Projektideen, Produktverbesserungen, Zielen, Verpflichtungen und größeren und kleineren To Dos mit. Die Herausforderung ist für mich nun zu entrümpeln: Was ist mir wirklich wichtig? Was klingt zwar gut, lenkt mich von meinen Zielen aber eigentlich nur ab? Die Schwierigkeit ist – wie so oft – das Nein-Sagen. Entrümpeln bedeutet nämlich auch, sich von guten oder sogar sehr guten Ideen zu trennen. Das tut manchmal ganz schön weh. Aber was wäre die Alternative? Dass all die Ideen und To Dos mich irgendwann erschlagen? Dann lieber rechtzeitig entrümpeln.

4. Ich nehme mir Zeit, mein Jahr zu planen.

Bei der Strategie-Klausur geht es für mich nicht um konkrete Projektpläne und Aufgabenlisten. Die kommen später. Hier geht es um das „Big Picture“: Welche großen Aufgaben möchte ich mir für 2015 vornehmen? Welche konkreten Ziele möchte ich beruflich erreichen, welche privat? Wie passen diese Ziele zusammen?

5. Ich nehme mir Zeit, mit mir allein zu sein.

Die Konfrontation mit sich selbst, ohne Ablenkung von außen, ist nicht einfach. Meistens vermeiden wir solche Situationen sogar. Ich sehe die Strategie-Klausur als Gelegenheit,mich selbst (wieder) ein bisschen besser kennen zu lernen. Man kann sowieso nicht raus aus seiner Haut. Wenn man sich (wieder) bewusst macht, wo die eigenen Stärken liegen und worum es in seinem Leben überhaupt gehen soll, schafft man es während des Jahres vielleicht auch besser, mit sich selbst auszukommen.

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Vielleicht hast du ja Lust bekommen, selbst mal eine Strategie-Klausur für dich auszuprobieren. Hier noch zehn Tipps von mir für eine gelungene Strategie-Klausur:

. Such dir einen Ort aus, an dem du dich wohl fühlst. 

Jeder hat unterschiedliche Vorlieben: Der eine sucht die Ruhe, der andere braucht nach der Arbeit Gesellschaft und Freizeitaktivität. Gestalte dir deine Umgebung so förderlich wie möglich. Lass es dir gut gehen.

. Wähle einen geeigneten Zeitraum.

Für mich sind drei Tage (drei Übernachtungen) ideal. Bei einem kürzeren Zeitraum ist die Klausur vorbei, bevor es anfängt richtig spannend zu werden. Ein längerer Zeitraum führt zu Lagerkoller.

. Stelle die Strategie-Klausur unter ein Motto.

Du kannst in 3 Tagen nicht alle deine Probleme lösen. Deshalb ist es wichtig, eine Auswahl zu treffen und einen Schwerpunkt zu setzen. Ein Motto hilft dabei. Das Motto meiner Strategie-Klausur in Marbach war z.B. „Wohin von hier?“.

. Geh zwischendurch spazieren.

Beim Spazierengehen gibst du deinem Hirn die Chance, die Gedanken zu verarbeiten, zu sortieren und neu zusammenzusetzen. Für mich ist es immer wieder erstaunlich, wie viele gedankliche Knoten sich durch absichtsloses Herumgehen lösen.

. Lass dich nicht ablenken.

Steck den Fernseher aus, dreh das Handy beim Arbeiten ab und lass dich nicht stören. Dann klappt’s mit der Kreativität am besten.

. Fördere deine Kreativität.

Wenn ich auf Strategie-Klausur gehe, habe ich immer jede Menge Moderationskarten, Post-its, Aufkleber, Blocks und Stifte dabei, die mir helfen, meine Gedanken festzuhalten, zu sortieren und zu ordnen.

. Vergiss nicht zu essen und zu schlafen.

Beim konzentrierten Arbeiten kann es schon mal passieren, dass man die Zeit vergisst. Um fit zu bleiben und effektiv arbeiten zu können, sind  genügend Pausen, regelmäßiges Essen und ausreichend Schlaf wichtig. (Das ist gleichzeitig auch ein Reminder an mich selbst!)

. Informiere deine Lieben über die wichtigsten Ergebnisse.

Die Strategie-Klausur ist Zeit, die du mit dir selbst verbringst. Du kannst dich mit deine kühnsten Wünschen und Träumen auseinandersetzen und bist niemandem dafür Rechnung schuldig. Dennoch ist es wichtig, dass du die wichtigsten Personen in deinem Leben von den Ergebnissen informierst – ganz besonders dann, wenn du deren Unterstützung für die Umsetzung deiner Pläne brauchst.

PS: Ein kleiner Blick hinter die Kulissen: Meine Spotify-Playlist für Marbach 2014


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Business Trainer. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Business Trainer und mache mir „nebenbei“ Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag annehmen kann. Mit meinen handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Zen und meinen Spaß am Basteln zu verbinden. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
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