Der Tag der 1000 Geschenke

by Barbara Wirl

Am Wochenende habe ich geheiratet. Rechtzeitig davor ist mir klar geworden, wie gut das Leben zu mir ist und dass ich drauf und dran war, das zu versäumen.

Naja, sonderlich gut geschlafen habe ich nicht in der Nacht vor meiner Hochzeit. Das mag einen auch nicht sonderlich verwundern. Nicht nur, dass das Heiraten an sich schon hoch emotional ist. Nein, im Hochzeitstag steckten fast ein ganzes Jahr Vorbereitung, viele Gedanken, viele Überlegungen, viele Dinge, die koordiniert und abgestimmt werden mussten.

Nun bin ich ein notorischer Nachdenker. Und das schlägt dann auch gerne mal in die Richtung „notorischer Kümmerer“ oder, im worst case, „notorischer Sorger“ um. So auch an diesem Morgen: Wird alles gut gehen? Was ist, wenn irgendetwas Unerwartetes passiert? Wird es unseren Gästen gefallen? Wird der Ablauf so klappen, wie wir uns das gedacht haben? Und so weiter, und so weiter. Ich glaube, ihr wisst, was ich meine.

Dabei war an diesem Morgen doch im Grunde schon alles gut. Die Sonne schien durch das Schlafzimmerfenster herein, wir hatten am Vortag alles vorbereitet, ich wusste, dass alles besprochen war und wir uns auf unsere vielen Helfer verlassen konnten.

Trotzdem war ich unruhig. Also zog ich mir meine Laufschuhe an und machte mich auf meine gewohnte Laufrunde durch Ottakring. Ich hoffte, dass die Bewegung meine Gedanken beruhigen würde oder mich zumindest für eine halbe Stunde ablenken würde.

Die Beine waren schwer, aber die Bewegung tat gut. Wie gewohnt kam ich am Ottakringer Friedhof vorbei. Und plötzlich hatte ich, keine Ahnung woher, eine Art Eingebung, eine kleine Erleuchtung, die ich gerne mit euch teilen möchte:

Günter, du bist verrückt. Das Leben schenkt dir in seinem unendlichen Reichtum heute 1000 schöne Momente. Und du bist dabei, sie nicht mitzukriegen, weil du dir dauernd Sorgen machst. Du musst gar nichts mehr machen, es ist alles schon vorbereitet. Du musst die 1000 Geschenke nur mehr zulassen und  sie wahrnehmen.

Und plötzlich war alles gut. Ich war mit einem Mal viel ruhiger. Die Aufregung war zwar immer noch nicht  verschwunden, aber die Sorgen waren weg. Was blieb, war die positive Spannung auf alles, was dieser Tag für Viki und mich bringen würde – die Vorfreude auf die 1000 Geschenke, die wir bekommen würden.

Es waren wohl tatsächlich 1000 schöne Momente an diesem wunderbaren Tag. Weil aber der menschliche Geist seine Grenzen hat, habe ich trotz meiner guten Vorsätze wahrscheinlich viele versäumt und kann mich nicht mehr an alle erinnern. Aber ein paar der 1000 Geschenke möchte ich heute gerne mit euch teilen – in keiner bestimmten Reihenfolge, aber voll Dankbarkeit gegenüber denjenigen, die sie mir geschenkt haben.

  1. Die blühenden Bäume und Wiesen auf der Hinfahrt nach Klein Mariazell.
  2. Das traumhafte Frühlingswetter. Besser hätten wir es uns nicht wünschen können.
  3. Als ich zum ersten Mal meine wunderschöne Braut gesehen habe.
  4. Dass so vielen aufgefallen ist, dass auch ich mich besonders schön herausgeputzt habe.
  5. Dass mein Trauzeuge Thomas eine so berührende Tischrede gehalten hat.
  6. Die vielen, kreativen, persönlichen und großzügigen Geschenke.
  7. Die berührenden Glückwunschkarten, die wir uns nun (bis) zu unserer Goldenen Hochzeit immer wieder anschauen können.
  8. Die fast 10.000 Fotos von unserer Hochzeit.
  9. Diejenigen Freunde, die diese Fotos geschossen haben: Barbara, Gabi, Conny & Roland, Christian, Verena.
  10. Dass in diesen Fotos wunderschöne Menschen wunderbar festgehalten sind.
  11. Dass uns der Himmel im letzten Moment unsere Fotografin Barbara Wirl geschickt hat.
  12. Die vielen Momente, in denen ich lachen konnte.
  13. Die vielen Momente, wo ich andere lächeln sah.
  14. Die Momente, in denen mich Viki angelächelt hat.
  15. Die wunderbar frühlingshafte Blumen-Deko der Gärtnerei Pechhacker.
  16. Das großartige Abendessen vom Kirchenwirt Harald Brunner.
  17. Dass Viki und ich die Zeit hatten, unser Abendessen zu genießen.
  18. Alle KellnerInnen, die mitgeholfen, hergerichtet und weggeräumt haben.
  19. Alle Menschen, die ich zum ersten Mal (näher) kennenlernen durfte.
  20. Alle Menschen, die ich schon lange nicht mehr gesehen hatte und gekommen sind.
  21. Alle Menschen, die ich sehr oft sehe, aber von denen ich nicht genug bekommen kann.
  22. Dass manche Gäste eine sehr weite Anreise auf sich genommen haben – extra für uns.
  23. Dass meine Oma die Kraft und den starken Willen hatte, beim unserer Hochzeit dabeizusein.
  24. Die vielen Freudentränen, die vergossen wurden.
  25. Die vielen Momente, in denen mir selbst die Tränen in den Augen standen.
  26. Das großartige Ständchen von meinen Springsteen-Freunden.
  27. Die lieben Wünsche von jenen, die nicht dabei sein konnten.
  28. Die wunderbaren Hochzeitstorten der Tortenmanufaktur Hollander. Ich habe zwei Stück gegessen.
  29. Dass Hannes Wiesinger & seine Band der Trauungsmesse den stimmungsvollen Rahmen gegeben haben, den ich mir so gewünscht hatte.
  30. Die Momente während der Trauungsmesse, in denen ich die Augen schließen und einfach nur sein konnte.
  31. Dass unser Zelebrant P. Ferdinand eine so individuelle und einzigartige Messe mit uns gestaltet hat.
  32. Die Gastfreundlichkeit der Pfarre Klein Mariazell.
  33. Die vielen netten Worte zu unserem Fest von unseren Gästen.
  34. Die Mühen, die Ideen und die moralische Unterstützung unserer Trauzeugen Bettina und Thomas.
  35. Die große Unterstützung unserer Zeremonienmeister Nina und Mathias.
  36. Der Anblick des wunderschön dekorierten Festsaals.
  37. Dass die Lannisters ihre Grüße entboten.
  38. Die helfenden Hände, die das Wegräumen am nächsten Tag zu einer Ruck-Zuck-Sache gemacht haben.
  39. Alle Momente, in denen es menschelte.
  40. Dass ich in meiner Schwieger-Familie so herzlich aufgenommen wurde.
  41. Dass unsere beiden Familien so gut harmonieren.
  42. Dass uns unsere jüngsten Gäste gezeigt haben, wie leicht man neue Freunde finden kann.
  43. Alle meine Tanzpartnerinnen, die sich im Laufe des Abends auf dieses Abenteuer eingelassen haben.
  44. Der einzigartige Tanz mit Mathias.
  45. Das Aufwachen am Morgen danach und das Gefühl, dass alles gut war. Ohne Wenn und Aber.
  46. Die vielen guten Wünsche für unseren gemeinsamen Weg, der noch vor uns liegt.
  47. Die kurzen Momente der Stille, die ich nur für mich hatte.
  48. Dass mich mein Ehering jeden Tag an diesen wunderbaren Tag erinnern wird.
  49. Dass eigentlich jeder Tag meines Lebens ein besonderer Tag ist und ich jeden Tag 1000 schöne Momente geschenkt bekomme – wenn ich sie zulasse und wahrnehme.

Danke für alles.

PS: Es ist kein Zufall, dass die Liste 49 Geschenke umfasst, sondern ein Ausdruck meiner Freude und Dankbarkeit. Sieben ist nämlich die Zahl der Unendlichkeit, und sieben mal sieben ist 49, also unendlich mal unendlich.

Foto: Barbara Wirl, Wirlphoto.at

 


 
Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger
Zen-Gärtner. Business Trainer. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Business Trainer und mache mir „nebenbei“ Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag annehmen kann. Mit meinen handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, Zen und meinen Spaß am Basteln zu verbinden. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
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