Thanksgiving

Thanksgiving

Vorige Woche war ich in Rumänien. Deswegen feiere ich heuer erstmals Thanksgiving.

Zwei Flugstunden von Wien…

Meine Reise nach Rumänien war in vielerlei Hinsicht interessant. Wir hatten ein erfolgreiches Projektmeeting, haben viele Dinge auf Schiene gebracht und bei gutem Essen auch viel gemeinsam gelacht. Ich habe sehr liebe Menschen kennengelernt und viel über Land und Leute erfahren.

Aber es waren auch beklemmende Momente dabei. Keine zwei Flugstunden von Wien entfernt, taucht man in Siebenbürgen in eine Welt ein, wie sie wohl meine Großeltern erlebt haben: Menschen leben in winzig kleinen Häusern, fahren mit Pferdefuhrwerken auf den Straßen und leben von dem, was sie selbst anbauen. Die Schule, die wir besuchten, war für rumänische Verhältnisse bestimmt gut ausgestattet, aber ich habe mich trotzdem gewundert, wie man mit so wenig sinnvoll unterrichten kann. Es war bedrückend zu hören, dass eine Lehrerin mit 500 Euro Gehalt im Monat auskommen muss. Von Armut zu hören oder zu lesen ist die eine Sache. Sie mit eigenen Augen zu sehen, wieder eine ganz andere.

Insgesamt habe ich von der Reise daher ein Gefühl großer Dankbarkeit mitgenommen. Dankbarkeit dafür, dass ich in Österreich aufgewachsen bin und leben darf. In Österreich geboren zu sein, war nicht meine eigene Leistung, sondern war reines Glück. In relativem Wohlstand aufzuwachsen ist keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Riesengeschenk. Wie leicht man das vergisst.

Heuer feiere ich Thanksgiving

Deshalb habe ich mich entschlossen, heuer erstmals mein eigenes, privates Thanksgiving zu feiern. Dabei muss ich sagen, dass ich grundsätzlich ziemlich skeptisch bin, was „importierte“ Feiertage betrifft. Ich finde, wir haben in Österreich eh schon viele und schöne. Vom Sinn von Halloween und Valentinstag etwa bin ich nach wie vor nicht überzeugt.

Für Thanksgiving mache ich aber eine Ausnahme. Mir gefällt die Idee, sich einen Tag lang bewusst zurückzunehmen und dankbar zu sein für die guten Dinge im Leben, die geliebten Menschen und die Momente des Glücks.

Thanksgiving wird in den USA jeden 4. Donnerstag im November gefeiert. 2015 ist das der 26. November. Den Brauch haben die ersten Siedler im 17. Jahrhundert aus Europa mitgenommen. Wir Europäer, besonders jene mit katholischer Tradition, kennen das Erntedankfest ja auch, allerdings hat es bei uns kein fixes Datum. Und ich habe das Gefühl, dass das Erntedankfest zwar in den Kirchen noch stattfindet, aber keinen besonderen Stellenwert im Leben der ÖsterreicherInnen hat – jedenfalls nicht den Stellenwert, den Thanksgiving für die AmerikanerInnen hat.

Wie die Amerikaner Thanksgiving feiern

Thanksgiving ist in den USA nämlich eine Riesensache. Das Fest ist dort mindestens so wichtig wie Weihnachten. Jede Fernsehserie, die etwas auf sich hält, strahlt zu Thanksgiving spezielle Thanksgiving-Folgen aus – und prägt damit auch die Vorstellung, die wir hierzulande von dem Feiertag haben.

Was gehört nun alles zu einem „klassischen“ amerikanischen Thanksgiving?

  • Der Truthahn natürlich. Der gehört zu Thanksgiving wie bei uns das Gansl zu Martini. Die Zahl der Familiendramen aufgrund schiefgegangener Truthahnzubereitungen ist Legion.
  • Der Tag und besonders das Abendessen wird meistens im Kreise der Familie und/oder mit Freunden verbracht. Zu Thanksgiving trifft sich oft die ganze Familie und kommt aus allen Teilen des Landes zusammen. Der Tag ist ein gesetzlicher Feiertag, d.h. viele Amerikaner haben arbeitsfrei (übrigens auch am Freitag danach, dem „Black Friday“ – dem wichtigsten Einkaufstag des Jahres).
  • Viele Amerikaner machen zu Thanksgiving auch irgend etwas Karitatives, z.B. in einer Suppenküche aushelfen oder Lebensmittel spenden.
  • Zu Thanksgiving werden große Paraden abgehalten. Die größte findet jedes Jahr in Detroit statt.
  • Am Nachmittag bzw. Abend schaut man dann mit Freunden gemeinsam American Football.

Meine Version des Thanksgiving

Für mein eigenes, privates, erstmaliges Thanksgiving werde ich allerdings ein paar Adaptionen vornehmen.

  • Weil ich am 26. November noch ein Train-the-Trainer Seminar in Oberwart halten werde, verschiebe ich mein Thanksgiving auf Freitag den 27.
  • American Football und Parade fallen aus – mangels Angebot, aber vor allem mangels Interesse. Man muss sich ja nicht quälen.
  • Einen Truthahn wird es bei mir zum Abendessen allerdings auch geben. Ich werde ihn (oder besser gesagt: Teile von ihm) selbst im Römertopf zubereiten, dazu ein Erdäpfel-Süßkartoffelpürree und ein Maisbrot bereiten. Das Abendessen werde ich dann mit Viki gemeinsam genießen (hoffentlich).
  • Ich werde mich zu meinem Thanksgiving auch darum kümmern, an die Organisationen zu spenden, die mir am Herzen liegen.
  • Ich habe mir auch vorgenommen, mich bei einer Handvoll Menschen zu melden, einfach nur um ihnen zu sagen, dass ich dankbar bin, dass es sie gibt. Mache ich eh viel zu selten.
  • Und: Ich werde zu meinem Thanksgiving freinehmen und versuchen, an diesem Tag nicht zu arbeiten –  sondern daran denken, dass es nicht immer „noch etwas mehr“ sein muss. Die Arbeit kann locker einen Tag lang warten, aber das Dankbarsein lässt sich nicht ewig verschieben.

Das sind also meine Pläne für mein eigenes, privates Thanksgiving kommenden Freitag. Vielleicht hat ja der eine oder die andere Lust bekommen, auch ein bisschen Thanksgiving zu feiern. Muss ja nicht ein ganzer Tag lang sein. Aber kurz innezuhalten und dankbar zu sein für das Gute im Leben, das lohnt sich, finde ich.

Bild: www.desktopwallpaper4.me



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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