Transsylvanische Selbstgespräche

Transsylvanien

Ich bin derzeit in Transsylvanien, also Siebenbürgen, in Rumänien. Natürlich geschäftlich, Rumänien im November ist nicht gerade eine Top-Urlaubsdestination. Hier zu lesen sind Ausschnitte aus dem nie geschriebenen Protokollen meiner Selbstgespräche während der Anreise. Worum es darin geht? Um nichts. Oder um alles. Wie man’s eben nimmt.

  • Ich will mit dem Taxifahrer nicht über Paris und IS sprechen. Um 5:30 in der Früh will ich mit niemandem über gar nichts sprechen. Mein Sprachzentrum ist noch nicht in der Lage, ganze Sätze zu formulieren. Meine Antworten fallen daher einsilbig aus. Aber das stört den guten Mann nicht, im Gegenteil: Es scheint ihn anzuspornen. Er holt zu einem epochalen Rundumschlag aus – gegen die Willkommenspolitik Angela Merkels, die EU, den Grenzzaun, die Bundesregierung, den Ajatollah. Ohgottohgottohgott. Wie weit ist es denn noch? Sind wir schon daaaaa?

 

  • Am Flughafen spiele ich mein Lieblings-Flughafen-Spiel: Ich schaue mir die Anzeigentafel mit den Abflügen am Gate G an und frage mich: „Wenn ich heute nicht nach Bukarest fliegen müsste und mir einen anderen Flug aussuchen könnte… welchen würde ich nehmen?“ Die Wahl fällt auf Miami. Oder Varna in Bulgarien, das Miami des kleinen Mannes.

 

  • In Varna war ich schon einmal. Mit meinem Bruder Thomas, zum Abschluss unserer Rumänien-Rundreise. Wie sich der Kreis schließt. Wenn ich an Varna denke, dann fällt mir unweigerlich der Stöckelschuh-Wettlauf in der Fußgängerzone ein. Der Versuch, das mit Worten zu beschreiben, würde scheitern. Seeing is believing.

 

  • Eine Austrian-Mitarbeiterin mit asiatischen Gesichtszügen ruft uns zum Boarding auf. Sie ist unanständig gut gelaunt. Wahrscheinlich ist sie besser drauf als alle boardenden Passagiere zusammen. Kann zu viel gute Laune unhöflich sein? Hm, da müsste man mal ein Blog Post drüber schreiben.

 

  • Ein Mann, der sich als Attila vorstellt, wartet auf mich und eine Kollegin in der Ankunftshalle. Er spricht weder Deutsch noch Englisch, aber er hält das vereinbarte Schild in die Höhe. Wir vertrauen ihm uns an und hoffen das Beste. Nach fünf Stunden Autofahrt werden wir mehr wissen.

 

  • Attila sieht aus wie ein Henker und fährt auch wie einer. Er scheint aber eine softe Seite zu haben: Aus dem Autoradio ertönt Eurodance der 90er. Wer DJ Bobo hört, kann kein schlechter Mensch sein, oder?

 

  • Ein paar tausend Schrecksekunden später kommen wir wohlbehalten in Miercurea Ciuc an. Attila parkt am Gehsteig vor dem Hotel, lächelt herzlich und murmelt freundliche Worte zum Abschied. Wir sind fast so etwas wie Freunde geworden. Rumänische Landstraßen verbinden scheinbar nicht nur Orte, sondern auch und Menschen.

 

Foto: Cornelia Dörr

 

 



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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