Warum oder Wofür?

Fragen Sie sich eher "warum" oder "wofür"?

Habt ihr gewusst, dass ein gewaltiger Unterschied zwischen den Worten „Warum?“ und „Wofür?“ besteht? Ich bis vor kurzem auch nicht.

Eines vorweg: Ich verdanke die folgenden Gedanken Harald Dvorak. Harald kenne ich vom Zeitverein, und vor zwei Wochen hatte ich das Vergnügen, mit ihm zum Zeitvereins-Symposion nach Wagrain zu fahren. Wie immer mit Harald, wurde diese Fahrt zu einer Quelle der Inspiration.

Keine Wortklauberei

Harald hat mir auf der Fahrt nämlich seine private Theorie verraten, dass zwischen „Warum?“ und „Wofür?“ ein großer Unterschied besteht und dass sich dieser Unterschied auf unsere Beziehungen und überhaupt auf unsere Sicht der Welt auswirkt.

Obwohl ich als Sprachwissenschaftler bin, klang das zunächst für mich nach Wortklauberei. Ich war skeptisch und musste nachfragen: Was meinst du damit, Harald?

Und was Harald meinte, möchte ich euch hiermit – hoffentlich richtig, zumindest aber sinngemäß – mit auf den Weg geben.

Warum

  • Stellen wir die Frage „Warum?“, machen wir uns auf die Suche nach den Gründen für unsere Handlungen (oder auch Nicht-Handlungen).
  • Die Frage nach Gründen löst in den meisten von uns den Reflex aus, uns zu rechtfertigen. Rechtfertigungen sind nichts anderes als der (verzweifelte?) Versuch, „gute Gründe“ für unsere Handlungen zu finden.
  • Gründe für Handeln (oder Nicht-Handeln) gibt es jedoch tausende. Mit etwas Geschick werden wir immer „gute Gründe“ finden, die unsere Handlungen sinnvoll machen – zumindest für uns selbst. Ob die guten aber auch wirklich die wahren Gründe sind, ist wieder eine ganz andere Frage.
  • In den allermeisten Situationen führt deshalb die Frage nach dem Warum zu nichts. Was nützt es denn, den Grund zu kennen, wenn dadurch keine Änderungen ausgelöst werden? Warum verändert nämlich nicht, Warum erklärt nur Dinge, die in der Vergangenheit geschehen sind – aus heutiger, subjektiver Sicht.
  • Die Frage nach dem Warum verleitet auch dazu, Schuldige zu finden. Wer ist verantwortlich für die Misere in meinem Leben? Wer ist Schuld, dass das Projekt schiefgegangen ist? Wer hat seine Pflicht nicht ordentlich erfüllt? Diese und ähnliche Fragen beschäftigen täglich Millionen (oder gar Milliarden?) Menschen, ohne sie wirklich weiterzubringen.
  • Warum ist also vergangenheitsorientiert. Es versucht, Vergangenes zu erklären, aber entwickelt keine Energie für Veränderungen. Im Gegenteil: „Warum?“ ist der beste Freund des Grübelmonsters.
  • Auf den Punkt gebracht, könnte man also sagen: „Das Warum ist wurscht!“

Wofür

  • Die Frage nach dem „Wofür?“ ist aus einem ganz anderen Holz geschnitzt. Es fragt nämlich nicht nach Gründen, sondern nach dem Ziel von Handlungen.
  • Wo liegt da der Unterschied? Nun, ein Beispiel: Zwei Menschen sitzen in der Paarberatung. Jeder von beiden hat einen anderen Grund dafür: Sie, weil sie hofft, dass er ihr dann endlich wieder mal richtig zuhört. Er, weil er hofft, dass sie damit wieder so wie früher wird. Das Warum ist also verschieden, aber das Wofür kann das gleiche sein: Beide wollen in Zukunft wieder eine glücklichere Beziehung miteinander.
  • Wenn man weiß, wofür man etwas macht, kommt man ins Handeln. Die Frage nach der Vergangenheit, den Rechtfertigungen und der Schuld wird hintan gestellt, und der Blick richtet sich nach vorne.
  • Das Wofür ist also zukunftsorientiert. Es regt dazu an, Ideen zu entwickeln und sich Menschen zu suchen, die das gleiche Wofür haben. Dadurch werden echte Veränderungen möglich.
  • „Dein Wofür bringt dich weiter“, könnte man zusammenfassend sagen.

Ich lade euch also dazu ein, eine Zeit lang ganz bewusst das Wort „warum“ gegen „wofür“ zu tauschen – in allen euren (Selbst-)Gesprächen. Bin gespannt, ob ihr eine Veränderung bemerken werdet.



Profilbild_GuenterGünter Schmatzberger

Zen-Gärtner. Ich-Konzern-Leiter.
Ich bin Gründer von Mein-Zengarten.at und mache mir Gedanken über Zen und die vielen Formen, die es im Alltag und Business annehmen kann. Mit unseren handgefertigen Miniatur-Zengärten habe ich eine wunderbare Möglichkeit gefunden, die schlichte Schönheit der Zen-Ästethik spürbar zu machen. Denn die kleinen Dinge machen das Leben großartig.
 
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