„Es ist genau das passiert, wofür wir Zeit hatten.“

Zeit

Das Phänomen „Zeit“ ist etwas, das mich sehr fasziniert. In diesem Blog-Artikel geht es um meine Gedanken dazu, wie „Zeit“ und „Sache“ zusammenhängen.

Grundsätzlich geht es mir um folgende Überlegung: Wenn wir uns einer Sache widmen, vergeht dabei (mehr oder weniger viel) Zeit. Oder anders formuliert: Die Menge an Zeit, die wir einer Sache widmen, hat Einfluss auf die Sache selbst.

Ent-täuschende Zeit

Richtig bewusst geworden ist mir das zum ersten Mal vor ein paar Jahren. Für eine Seminar auf der Uni Wien mussten ich und fünf Mit-Studierenden eine Präsentation vorbereiten. Wir gingen sehr motiviert ans Werk und hatten große Pläne. Es sollte die eindrucksvollste Präsentation aller Gruppen werden. Nach drei Stunden intensiver Arbeit waren wir jedoch desillusioniert und am Ende unseres Lateins angekommen. Unmut machte sich breit, und es herrschte unausgesprochene Einigkeit darüber, dass wir die Präsentation nur mehr irgendwie fertig bringen wollten – und das so rasch wie möglich. Unsere ehrgeizigen Pläne waren längst über Board gegangen.

Das Ergebnis am Tag der Präsentation war dann auch dementsprechend: Keine Katastrophe, aber auch nicht so weltbewegend, wie wir uns das gewünscht hatten. Als unsere Gruppe nach der Lehrveranstaltung zusammenstand, war deutlich zu spüren, dass wir uns mehr erwartet hatten. Auf einmal sprach Anton die Worte, die ich nie vergessen werde: „Es ist genau das passiert, wofür wir Zeit hatten“.

Aha-Erlebnis mit Anton

Ich glaube nicht, dass Anton bewusst war, welchen gescheiten Satz er da gesagt hatte. Dass diese Worte direkt von einem Zen-Meister hätte stammen können. Für mich waren dieser Satz auf jeden Fall ein richtiges Aha-Erlebnis. Mir ist in diesem Moment nämlich Folgendes klar geworden: Das Ergebnis dieser Präsentation hätte gar nicht anders sein können. Unter den gegebenen Umständen ist genau das eingetreten, was möglich war. Alles ist gekommen, wie es kommen musste. Das ist kein Grund zur Enttäuschung. Enttäuschung entsteht nämlich nur dann, wenn man trotz Kenntnis der Umstände dem Irrglauben unterliegt, dass ein anderes Ergebnis möglich gewesen wäre.

Zeit-Management

Mir ist dieser Satz wieder eingefallen, als ich mir heute ein Seminar-Design zum Thema „Zeit- und Selbstmanagement“ überlegt habe. Beim Zeitmanagement geht es im Grunde ja auch um die (irrige?) Vorstellung, dass man seinen Umgang mit der Zeit so optimieren kann, dass mit möglichst wenig Input an Zeit einen möglichst großen Output an Arbeit bekommt. Nur: So einfach ist das nicht.

Das richtige Maß an Zeit

„Alles hat seine Zeit“, heißt es in der Bibel. Und darin, glaube ich, liegt der Schlüssel zu dem, was Zeitmanagement wirklich ausmacht: Jede Aufgabe braucht ein gewisses Maß an Zeit. Es kann jeder Aufgabe schaden, ihr zu wenig Zeit, aber auch zu viel Zeit zu widmen. Die Kunst des (Zeit-)Managers ist es daher, das richtige Maß an Zeit für jede einzelne Aufgabe zu erkennen – so wie ein Gärtner das richtige Maß an Wasser für seine Paradeiser oder der Koch die richtige Menge Salz für sein Schnitzel kennt.

Das Zen der Zeit

So einleuchtend diese Überlegung klingen mag, so schwierig finde ich ihre praktische Anwendung. Wie weiß ich denn, wie viel Zeit „genau die richtige“ Zeit ist? Zwei Antworten fallen mir darauf ein:

  1. Man weiß es nie. Man tut einfach und hofft, dass man das richtige Maß erwischt.
  2. Man weiß es immer. Man müsste nur so ehrlich zu sich selbst sein und auch hinhören, wenn die innere Stimme sagt „Das ist aber noch nicht fertig! Bleib sitzen, mach das ordentlich und lass Facebook zu!“ oder „Jetzt hast du daran aber schon lang genug herumgetüftelt! Hör auf zu denken und geh ans Umsetzen!“

Ich weiß nicht, welche dieser beiden Antworten unbefriedigender ist. Aber wahrscheinlich ist es auch nicht die Aufgabe der Zeit, uns befriedigende Antworten zu liefern.  Immerhin bewahrt es uns vor Enttäuschungen, wenn wir akzeptieren, dass die Dinge so sind, wie sie sind, weil wir ihnen die Zeit gewidmet haben, die wir ihnen nun mal gewidmet haben. Es könnte gar nicht anders sein.

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